Top

Spinnen warten auf gutes Flugwetter

29. März 2007 |

Zwei kleine Spinnen auf einer Grasähre, die linke streckt der rechten ihre Vorderbeine entgegen, die rechte steht abflugbereit auf den 'Zehenspitzen' und reckt den Hinterleib empor Nicht nur menschliche Segelflieger, auch Spinnen heben am liebsten bei optimalen Flugbedingungen ab. Das lassen Berechnungen britischer Forscher vermuten. Genau dann treiben die meisten Spinnen an Seidenfäden durch die Luft, wenn die Strömungen in der Atmosphäre die weiteste Ausbreitung ermöglichen.

Wenn Spinnen abheben wollen, stellen sie sich auf die “Zehenspitzen” und recken den Hinterleib mit den Spinnwarzen empor. Foto: Copyright Rothamsted Research

Optimal sei eine Kombination mäßig starker horizontaler und vertikaler Strömungen, schreiben Andy Reynolds vom Forschungsinstitut Rothamsted Research und seine Kollegen im Fachblatt “Biology Letters”. Solche Bedingungen herrschten an nicht allzu warmen, leicht bewölkten Tagen mit einer leichten Brise - typisch für Frühling und Altweibersommer. Letzterer verdankt seinen Namen den silbrig schimmernden Spinnfäden.

Mit einem stochastischen Rechenmodell simulierten Reynolds und Kollegen die Flugbahnen von 100.000 Spinnen, die in einem Meter Höhe abgehoben waren. Dabei variierten sie die Windgeschwindigkeit und die Turbulenz in der Atmosphäre. Wie die Forscher berichten, setzten die meisten Spinnen nach einigen Hundert Metern wieder auf. Einige schafften es jedoch Hunderte Kilometer weit. Bereits Charles Darwin hatte über Spinnen berichtet, die auf seinem Schiff knapp 100 Kilometer vor der Küste Südamerikas gelandet waren.

Anders als intuitiv zu erwarten, dürfen weder die Windgeschwindigkeit noch die Sonneneinstrahlung zu hoch sein. Im ersten Fall werde die Ausbildung einer guten Thermik behindert, schreiben die Forscher. Im zweiten Fall wiederum sei die Konvektionsströmung so stark, dass die Spinnen vornehmlich auf- und abwärts, aber kaum in horizontaler Richtung befördert würden.

Praktische Bedeutung erhielten diese Resultate durch die Funktion der Spinnen als Schädlingsbekämpfer, ist Reynolds überzeugt. “In der Anbausaison landen jeden Tag etwa 1.800 Spinnen auf jedem einzelnen Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Wenn Landwirte den Import an Spinnen vorhersagen können, können sie den Einsatz an Pestiziden entsprechend verringern.”

Forschung: Andy M. Reynolds, David A. Bohan und James R. Bell, Rothamsted Research, Harpenden, und School of Biosciences, Cardiff University

Veröffentlichung Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2007.0109

WWW:
Biomathematics and Bioinformatics Division, Rothamsted Research
Up, Up and Away
Luftplankton

Bottom