Reger Zelltausch bei Affenembryonen
Dienstag, 27. März 2007, 6:01 • Rubrik Biologie, Genetik.
Bei Büscheläffchen sind Geschwister durch besonders enge Bande miteinander verbunden. Eine amerikanische Forscherin hat ermittelt, dass die Embryonen im Mutterleib Stammzellen austauschen und in der Folge zu einem Flickenteppich aus eigenen und geschwisterlichen Zellen heranwachsen. Dieser Effekt lässt sich sogar in Eierstöcken und Hoden nachweisen, sodass ein Weibchen mit einem Zwillingsbruder der genetische “Vater” seines Nachwuchses sein könnte.

Männliche Büscheläffchen kümmern sich intensiv um den Nachwuchs. Foto: Jeffrey E. Fite
Das Ausmaß der genetischen Verwandtschaft zwischen Individuen gilt als wichtiger Faktor bei einer Reihe von Verhaltensweisen, etwa beim Füttern und Umsorgen des Nachwuchses. Nach Ansicht von Corinna Ross von der University of Nebraska werfen die neuen Resultate daher ein neues Licht auf die intensive elterliche Fürsorge und das ausgeprägte Ammensystem der Büscheläffchen. Ihre Resultate präsentiert die Forscherin in den “Proceedings of the National Academy of Sciences”.
Gemeinsam mit zwei Kollegen untersuchte Ross in Gefangenschaft lebende Büscheläffchen der Art Callithrix kuhlii. Die Tiere bringen praktisch ohne Ausnahme zweieiige Zwillinge zur Welt. Schon früh in der Schwangerschaft verschmelzen die Plazenten der beiden Embryonen miteinander – und damit auch ihr Blutkreislauf. Seit über 40 Jahren ist bekannt, dass es auf diese Weise regelmäßig zum Austausch von Stammzellen kommt. Bislang war jedoch vermutet worden, dass sich dies nur auf das blutbildende System der Zwillinge auswirkt.
Anhand von fünf genetischen Markern bestimmte die Forscherin die genetischen Verwandtschaftsverhältnisse bei 36 Zwillingspaaren. Bei 26 Prozent der Paare fand sie, dass Hautzellen des einen Zwillings von dem anderen stammten. Bei der Untersuchung von Mundschleimhautzellen und Spermien wurde sie sogar in über 50 Prozent der Fälle fündig. Und tatsächlich habe ein Weibchen über die Eizelle Genvarianten des Bruders an seine Kinder vererbt, berichtet Ross. Daher sei es grundsätzlich auch vorstellbar, dass eine Eizelle ein männliches statt eines weiblichen Geschlechtschromosoms enthalte. Der Beweis stehe allerdings noch aus.
Organtransplantationen können auch beim Menschen zur Bildung von “Chimären” führen – allerdings in relativ begrenztem Umfang. So ist beobachtet worden, dass weibliche Herzen nach der Verpflanzung in einen männlichen Empfänger allmählich von männlichen Zellen besiedelt werden.
Forschung: Corinna N. Ross, Jeffrey A. French und Guillermo Ortí, School of Biological Sciences, University of Nebraska, Lincoln, und Departments of Psychology und Biology, University of Nebraska, Omaha
Veröffentlichung PNAS; DOI 10.1073/pnas.0607426104
WWW:
Ortí Lab
Callitrichid Research Center, UN Omaha
Callithrix kuhlii
Chimerism of the Transplanted Heart
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