Posted in: Anthropologie, Archäologie, Geschichte 26. März 2007 15:01 Weiter lesen →

Von Milben, Lamas und Inkas

Kleine Spinnentiere könnten helfen, mehr über Aufstieg und Fall der Inka zu erfahren. Französische und britische Forscher haben ermittelt, dass die Zahl der Hornmilben im Schlamm eines Sees umso höher ist, je mehr Lamas und andere domestizierte Pflanzenfresser ihren Dung in der Nähe abgesetzt haben. Ihre Resultate präsentieren sie im „Journal of Archaeological Sciences“.

Mikroskopaufnahme zeigt den Kopf einer Hornmilbe aus dem Seesediment, braune Cuticula, Mundwerkzeuge, Taster

Reste von Hornmilben, hier ein etwa 0,5 Millimeter breiter Kopf, könnten Auskunft über Ökonomie und Landwirtschaft der Inka geben. Foto: University of Sussex

Auf seinem Höhepunkt erstreckte sich das Inkareich über mehrere Tausend Kilometer im Westen Südamerikas. Da sie keine echte Schrift nutzten und zudem Zeugnisse der unterworfenen Stämme zerstörten, ist über Herkunft und Ausbreitung der Inka jedoch nur wenig bekannt. Umso nützlicher könnte die neue Technik sein, hoffen die Forscher um Alex Chepstow-Lusty von der Université de Montpellier II und Michael Frogley von der University of Sussex.

Die Geowissenschaftler und ihre Kollegen führten ihre Arbeiten am Marcacocha im peruanischen Hochland durch. Der See liegt in der Nähe der Inkahauptstadt Cuzco und an einer der alten Straßen, auf denen Lama-Karawanen über Jahrhunderte Abgaben und Güter heranschafften. Aus dem säuberlich geschichteten Sediment isolierten die Forscher darin erhaltene Überreste von Hornmilben. Einige dieser Bodenbewohner nutzen Dung als willkommene Nahrungsquelle.

Tatsächlich variierte die Zahl der Milben im Sediment in Übereinstimmung mit bekannten Veränderungen im Inkareich, berichtet die Gruppe. So fiel sie mit dem Niedergang der Inka nach der Ankunft der spanischen Conquistadores im Jahr 1532 und stieg einige Jahrzehnte später wieder, indem Schafe, Ziegen und andere Pflanzenfresser aus der Alten Welt importiert wurden. Ein neuerlicher Einbruch zu Beginn des 18. Jahrhunderts fällt mit einem verheerenden Pestausbruch zusammen.

„Auch so kleine und unauffällige Tiere wie die exkrementfressenden Milben eröffnen uns einen neuen Blick auf die katastrophalen Folgen, die die Besiedlung der Neuen Welt durch die Europäer hatte“, so Frogley weiter. Nach Ansicht des Forschers könnte die Milben-Methode auch andernorts helfen, kulturelle Entwicklungen und den Einfluss des Menschen auf die Umwelt nachzuvollziehen.

Forschung: Alex J. Chepstow-Lusty, Département Paléoenvironnements und Centre de Bio-Archéologie et d’Ecologie (UMR 5059), Institut de Botanique, Université de Montpellier II, Montpellier; Michael R. Frogley, Centre for Environmental Research, University of Sussex, Brighton; und andere

Veröffentlichung Journal of Archaeological Sciences, Vol. 34(7), pp 1178-86, DOI 10.1016/j.jas.2006.12.023

WWW:
Centre de Bio-Archéologie et d’Ecologie, Université de Montpellier II
Centre for Environmental Research, University of Sussex
Inka
Hornmilben

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Knotige Buchhaltung bei den Inka

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