Träume kommen etappenweise
Montag, 26. März 2007, 11:37 • Rubrik Medizin, Psychologie.
Sobald ein Schläfer zu träumen beginnt, bricht sein Gehirn in hektische Aktivität aus. Was genau dabei im Kopf vor sich geht, hat eine Münchner Forschergruppe beobachten können. Demnach ist das Gehirn in der Traumphase zeitweise derart mit sich selbst beschäftigt, dass es für äußere Reize unempfänglich ist.

Während des tonischen REM-Schlafs, ohne rasche Augenbewegungen, lösen Töne zumindest etwas Aktivität in der Hörrinde aus. Im phasischen REM-Schlaf ist das Gehirn dagegen weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Bild: MPI für Psychiatrie
Zwischenzeitlich taucht das Hirn jedoch immer wieder so weit aus seiner Traumwelt auf, dass es Geräusche zumindest am Rande bemerkt, fanden die Forscher um Renate Wehrle und Michael Czisch vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie heraus. Diese Beobachtung könnte ihrer Ansicht nach erklären, warum das Klingeln des Weckers mitunter nicht zum Aufwachen führt, sondern in das Traumgeschehen eingebaut wird.
Wehrle, Czisch und Kollegen gelang es erstmals, gleichzeitig die Gehirnströme zu messen und mit Hilfe eines Kernspintomografen die Aktivität des schlafenden Gehirns zu kartieren. Dazu waren einige Tricks nötig: Unter anderem mussten Elektroden und Kabel gegen das starke Magnetfeld des Tomografen abgeschirmt sein. Zudem wurde den Probanden massiver Schlafentzug verordnet, damit sie selbst in dem lauten Tomografenraum einschlafen konnten. Den Lohn der Mühen präsentieren die Forscher im “European Journal of Neuroscience”.
Als besonders interessant entpuppte sich der REM-Schlaf, die frühmorgendliche Phase besonders intensiver Träume. Sobald die Schläfer die charakteristischen raschen Augenbewegungen zeigten, wurden verschiedene Gehirnregionen stark aktiv – darunter auch solche, die für das Gefühlsleben zuständig sind. Während dieser “Ausbrüche” hatten von außen eingespielte Klaviertöne keinerlei Effekt auf die Aktivität, fanden die Forscher. Erst mit Abklingen der Augenbewegungen wurde das Gehirn etwas aufnahmefähiger und die Töne lösten zumindest eine rudimentäre Aktivität in der Hörrinde aus.
Forschung: Renate Wehrle und Michael Czisch, Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München; und andere
Veröffentlichung European Journal of Neuroscience, Vol. 25(3), pp 863-71, DOI 10.1111/j.1460-9568.2007.05314.x
WWW:
MPI für Psychiatrie
Der normale Schlaf und seine Variationen
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