Posted in: Astronomie 23. März 2007 12:21 Weiter lesen →

Schnappschüsse der Milchstraße

Auch die Milchstraße sammelt Schnappschüsse aus ihrer Kindheit und Jugend. Eine australische Astronomin und ihre Kollegen haben ermittelt, dass die Sterne innerhalb einiger Sternhaufen den gleichen chemischen Fingerabdruck aufweisen. Dieser spiegelt die Bedingungen wider, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung in der Galaxis herrschten.

Blick in den Sternhaufen Collinder 261, eine diffuse, zur Bildmitte immer dichter werdende Wolke aus orangefarbenen Punkten vor schwarzem Hintergrund

Der offene Sternhaufen Collinder 261 und seine Vettern scheinen Schnappschüsse aus der Entwicklung der Milchstraße darzustellen. Bild: ESO Digitized Sky Survey

Der Grad der Übereinstimmung zwischen den Mitgliedern eines Sternhaufens sei verblüffend, erklärt Gayandhi De Silva von der Australian National University. „Dieses hohe Maß an Homogenität lässt vermuten, dass die chemische Information Jahrmilliarden überdauert hat. Sämtliche Sterne eines Haufens können daher mit der gleichen prähistorischen Gaswolke in Verbindung gebracht werden.“

De Silva und ihre Kollegen nutzten eines der Großteleskope der Europäischen Südsternwarte in Chile, um den offenen Sternhaufen Collinder 126 zu studieren. Die Gruppe registrierte die Spektren von zwölf Riesensternen in dem Haufen und bestimmte anhand der einzelnen Spektrallinien, wie viel Natrium, Calcium, Eisen und andere schwere Elemente die Sterne in ihrer Geburtswolke mit auf den Weg bekommen hatten. Dieser chemische Fingerabdruck war bei allen Sternen identisch, berichtet das Team im „Astronomical Journal“.

Andere, innerhalb eines Haufens jedoch ebenfalls konsistente Fingerabdrücke, hatten die Forscher bereits bei zwei anderen offenen Sternhaufen gefunden. Diese Gebilde bestehen aus Hunderten bis Tausenden Sternen und sind in der Milchstraße in großer Zahl vertreten. Ihre systematische Vermessung könnte daher neue Einblicke in die Entwicklung der Galaxis liefern, hoffen De Silva und ihre Kollegen.

Für die Forschung eröffneten sich faszinierende Aussichten, erläutert Kenneth Freeman, ebenfalls von der Australian National University. „In puncto Alter decken die offenen Sternhaufen die gesamte Lebensdauer der Milchstraße ab, und jeder von ihnen dürfte aus einem anderen ‚Teigklumpen‘ entstanden sein.“

Forschung: Gayandhi M. De Silva, Kenneth C. Freeman und Martin Asplund, Mount Stromlo Observatory, Australian National University, Weston Creek; Remo Collet, Department of Astronomy and Space Physics, Uppsala University; und andere

Veröffentlichung Astronomical Journal, Vol. 133, pp 1161-75, DOI 10.1086/511182

WWW:
Research School of Astronomy and Astrophysics, ANU
ESO Very Large Telescope Observatory
Sternhaufen

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