Blutplättchen mit Zeitzünder
Donnerstag, 22. März 2007, 17:01 • Rubrik Biologie, Medizin.
Blutplättchen oder Thrombozyten gehören nicht nur zu den kleinsten Zellen des Körpers, sie werden auch nur wenige Tage alt. Der Grund liegt in einem molekularen Zeitzünder, haben australische Forscher entdeckt. Indem der Gehalt eines Schutzproteins in den Zellen mit der Zeit sinkt, wird schließlich ein Selbstmord-Signal ausgelöst.
“Diese Entdeckung könnte eine ganze Reihe praktischer Konsequenzen haben”, erklärt Benjamin Kile vom Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research und von der University of Melbourne. “Die vermutlich bedeutendste ist die Aussicht, die Haltbarkeit von Blutplättchen in Blutbanken zu erhöhen.” Für Patienten mit einer gestörten Blutgerinnung lebenswichtig, müssen Thrombozyten-Präparate schon nach fünf Tagen verworfen werden.
Kile und Kollegen studierten Mäuse, deren Blut nur die Hälfte der normalen Konzentration an Thrombozyten aufwies. Grund dafür waren Mutationen in dem Gen Bcl-x, berichten die Forscher im Fachblatt “Cell”. Als Folge wies das zugehörige Protein Bcl-xL eine minimal veränderte Struktur auf und wurde in den Zellen besonders schnell abgebaut. Bcl-xL blockiert wiederum ein Protein mit der Bezeichnung Bak, das in Zellen das Selbstmordprogramm in Gang setzt. Und tatsächlich stieg die Lebensdauer der Thrombozyten und damit auch ihr Spiegel im Blut, wenn das Gen für Bak ausgeschaltet wurde.
Die neuen Resultate “lassen vermuten, dass die Zellen auf molekularem Niveau darauf programmiert sind, nach einer bestimmten Zeit zu sterben, wenn sie kein anders lautendes Signal empfangen”, so Kiles Kollege David Huang. Vielleicht besäßen auch alle anderen Zelltypen einen derartigen Zeitzünder, der jedoch immer wieder durch Signale aus dem Zellkern zurückgestellt werde. Da die Blutplättchen keinen Zellkern besäßen, fehle ihnen ein solcher Mechanismus. Ähnlich ergehe es vielleicht auch den ebenfalls kernlosen Erythrozyten, den roten Blutkörperchen.
Forschung: Kylie D. Mason, David C.S. Huang und Benjamin T. Kile, Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research und Department of Medical Biology, University of Melbourne, Parkville, Victoria; und andere
Veröffentlichung Cell, Vol. 128, 23. März 2007, pp 1173-86, DOI 10.1016/j.cell.2007.01.037
WWW:
Walter and Eliza Hall Institute of Medical Research
Thrombozyten
Apoptosis
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