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Neue Arten auch ohne Sex

Mittwoch, 21. März 2007, 13:41 • Rubrik Biologie, Genetik.

Auch ohne Sex als Antrieb kommt die Evolution langsam, aber sicher voran. Dieses Fazit ziehen italienische und britische Biologen nach Untersuchungen an Rädertierchen. Obwohl sich die Winzlinge seit über 40 Millionen Jahren nur noch ungeschlechtlich vermehren, haben sie gut unterscheidbare Gruppen gebildet, die man als Spezies bezeichnen könnte.

REM-Aufnahme zeigt vier Rädertierchen sehr unterschiedlicher Statur (Länge, Größe, 'Schwanz') und entfernt an halbe Orangenscheiben erinnernde Kiefer

Bdelloide Rädertierchen scheinen mehr als einen diffusen Schwarm Klone darzustellen. REM-Aufnahmen: Diego Fontaneto

Die Ursache für diese Aufspaltung liege nicht allein in einer geographischen Trennung, erklären die Forscher um Diego Fontaneto von der Universität Mailand. Ebenso wie bei Organismen mit geschlechtlicher Fortpflanzung, dürften die Ansprüche unterschiedlicher Lebensräume auch bei den asexuellen Rädertierchen ein treibender Faktor sein, schreibt die Gruppe im Fachblatt “PLoS Biology”.

Fontaneto und Kollegen studierten Rädertierchen aus der Gruppe der Bdelloidea. Nur wenige Zehntel Millimeter groß, existieren die Wasserbewohner ausschließlich als Weibchen und vermehren sich über unbefruchtete Eier. Des ungeachtet scheinen sie alles andere als einen diffusen Schwarm von Klonen darzustellen.

Anhand der Sequenzen zweier Gene konnten die Forscher für die Gattung Rotaria einen Stammbaum rekonstruieren, der gut mit der klassischen Arten-Einteilung übereinstimmt. Ähnliche Resultate erhielten sie, wenn sie von Form und Größe der Kiefer im Kaumagen der Tiere ausgingen. Lediglich in zwei Fällen sprach die genetische Analyse für eine zusätzliche, äußerlich nicht erkennbare Spaltung. Solche kryptischen Arten seien allerdings auch von Organismen mit sexueller Fortpflanzung bekannt, schreiben Fontaneto und Kollegen.

Nach Ansicht der Forscher ist die entscheidende Frage nun, ab welchem Ausmaß genetischer Unterschiede man von “Arten” spreche. Das klassische Kriterium, nämlich die Fähigkeit zum Zeugen fortpflanzungsfähigen Nachwuchses, sei im Falle der asexuellen Rädertierchen ohnehin belanglos.

Gemeinhin gehe man davon aus, dass asexuelle Organismen rasch wieder von der Bühne des Lebens verschwänden, erläutert Timothy Barraclough vom Imperial College London, einer der Autoren. Die Bdelloidea hätten sich jedoch im Laufe vieler Millionen Jahre in verschiedenste ökologische Nischen hineingefunden. “Ihre Fähigkeit, zu überleben und sich anzupassen, wirft gewiss interessante Fragen zum Ablauf evolutionärer Prozesse auf”, schließt der Forscher.

Forschung: Diego Fontaneto, Dipartimento di Biologia, Università di Milano; Elisabeth A. Herniou und Timothy G. Barraclough, Divison of Biology und NERC Centre for Population Biology, Imperial College London, Ascot; und andere

Veröffentlichung PLoS Biology, Vol. 5(4), e87, DOI 10.1371/journal.pbio.0050087

WWW:
Dipartimeno di Biologia, Università di Milano
Homepage Tim Barraclough
Der Artikel online
Introduction to the Rotifera
Der Skandal der Evolution

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