Säuglinge erkennen “unmögliche” Objekte
Dienstag, 20. März 2007, 12:33 • Rubrik Psychologie.
Ob ein endloser Treppenaufgang oder ein sich selbst speisender Wasserfall – die Zeichnungen des holländischen Grafikers M.C. Escher lassen jeden Betrachter stutzen. Die Fähigkeit zur Erkennung räumlich unmöglicher Konstrukte entwickelt sich erstaunlich früh, hat eine amerikanische Psychologin ermittelt. Schon vier Monate alte Säuglinge kommen beim Betrachten solcher Objekte ins Grübeln.

Auf welches Bild schauen Sie länger? Courtesy Sarah Shuwairi at New York University
Dieses Resultat helfe zu verstehen, wie Säuglinge allmählich die Welt um sich herum zu begreifen beginnen, erklärt Sarah Shuwairi von der New York University. Dies gelte insbesondere für die Entwicklung jener Mechanismen, dank derer Menschen die dreidimensionale Gestalt eines Objekts aus Schatten und anderen Hinweisen auf räumliche Tiefe rekonstruieren könnten.
Shuwairi und ihr Doktorvater Scott Johnson führten ihre Versuche mit 30 Kindern im Alter von vier Monaten durch. Die kleinen Probanden saßen auf dem Schoß eines Elternteils vor einem Bildschirm, auf dem abwechselnd “mögliche” und “unmögliche” Konstrukte auftauchten – beispielsweise ein Würfel aus Holzstangen, bei dem eine vordere Strebe von einer weiter hinten verlaufenden Strebe verdeckt wurde. Wie die Forscher demnächst im Fachblatt “Psychological Science” berichten, schauten die Kinder deutlich länger auf die unmöglichen Konstrukte – ein Anzeichen dafür, dass sie das Gesehene irritierte.
Zu ähnlichen Resultaten waren Bonner Psychologen bei Versuchen mit fünf- bis sechsmonatigen Kindern gekommen. Mit zwei Spielzeugen auf einem räumliche Tiefe suggerierenden Parkettmuster konfrontiert, griffen diese meist nach dem vermeintlich näher liegenden Spielzeug. Die Täuschung gelang allerdings nur, wenn das räumliche Sehen vorübergehend durch Abdecken eines Auges ausgeschaltet wurde.
Forschung: Sarah M. Shuwairi, M.K. Albert und Scott P. Johnson, Department of Psychology, New York University, New York
Zur Veröffentlichung akzeptiert von Psychological Science
WWW:
Infant Perception Lab, New York University
- Homepage Sarah Shuwairi
M.C. Escher in der Mathematik
- Treppauf und treppab, Wasserfall
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