Posted in: Biologie 20. März 2007 07:57 Weiter lesen →

Kleiber verstehen Meisen

Mit seinem spöttischen Krächzen hat der Eichelhäher schon so manchem Jäger einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie informativ solche Signale sein können, lassen Experimente zweier amerikanischer Biologen erahnen. Dabei schienen Kleiber sehr wohl zu verstehen, ob die Alarmrufe einer Meise einen mäßig oder einen besonders gefährlichen Räuber anzeigen.

Foto: Schwarzkopfmeise im Geäst; kleiner Vogel mit gelbem Bauch, schwarzer Kehle, schwarz-weißem Kopf und grauen Flügeln und Schwanzfedern

Mit ihrem Hassen treibt die Schwarzkopfmeise so manchen Räuber zum Rückzug. Foto: Courtesy Christopher Templeton

Diese Fähigkeit sei umso bemerkenswerter, als die Gefährlichkeit des jeweiligen Räubers in den Wiederholungen einer einzigen Silbe codiert sei, erklärt Christopher Templeton von der University of Washington. „Es gibt eine Reihe von Tieren, die auf die Alarmrufe anderer Tiere reagieren“, so der Forscher. „Dies ist jedoch das erste Beispiel dafür, dass subtile Information in einem Ruf von einer anderen Art ausgewertet wird.“

Die untersuchten Rufe stammten von der Schwarzkopfmeise (Poecile atricapillus). Bemerken die kleinen Singvögel einen Greifvogel auf seinem Ruheplatz, nähern sie sich dem Räuber und bedenken ihn mit Alarmrufen. Diese locken weitere Vögel herbei, die in das Rufen einstimmen. Dieses kollektive „Hassen“ geht so lange, bis sich der Räuber trollt und ein anderes Jagdrevier sucht. Je kleiner und wendiger der Greifvogel ist, desto öfter wiederholen die Meisen die letzte Silbe ihres Rufs.

Templeton und sein Kollege Erick Greene von der University of Montana spielten Kanadakleibern (Sitta canadensis) Rufe vor, die Schwarzkopfmeisen beim Anblick eines großen Uhu (Bubo virginianus) oder eines kleinen Sperlingskauzes (Glaucidium gnoma) produziert hatten. Die Kleiber gingen näher an die Lautsprecher heran, schlugen häufiger mit den Flügeln und machten sich zögerlicher wieder auf die Nahrungssuche, wenn die Rufe beim Anblick des gefährlicheren Kauzes ausgestoßen worden waren.

Die Vorteile für die Kleiber lägen auf der Hand, so Templeton weiter. „Zu wissen, welche Art Räuber in der Nähe ist, könnte für sie eine Frage von Leben und Tod sein.“ Des ungeachtet sei es verblüffend, dass eine Spezies den Code einer anderen geknackt habe.

Forschung: Christopher N. Templeton, Department of Biology, University of Washington, Seattle, und Erick P. Greene, Division of Biological Sciences, University of Montana, Missoula

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, Vol. 104(13), pp 5479-82, DOI 10.1073/pnas.0605183104

WWW:
Homepages Christopher Templeton
Mobbing Calls of Black-Capped Chickadees
Homepage Erick Greene
Poecile atricapillus
Hassen

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