Posted in: Astronomie, Geologie 15. März 2007 20:01 Weiter lesen →

Südpol des Mars „entblättert“

Modell des Eispanzers am Mars-Südpol, unterschiedliche Farben zeigen die Dicke des Eises an, ein großer roter Fleck auf dem Nullmeridian markiert die dickste StelleAm Südpol des Mars gibt es reichlich Wasser – zumindest in gefrorener Form. Wie viel Wasser, hat eine internationale Forschergruppe anhand von Daten der europäischen Sonde Mars Express schätzen können. Die Polkappe birgt demnach etwa 1,6 Millionen Kubikkilometer Wassereis – genug, um den roten Planeten elf Meter hoch unter Wasser zu setzen.

Der Eispanzer am Südpol des Mars ist stellenweise bis zu 3,7 Kilometer dick, im Modell erkennbar an roten Farben. Die schwarze Kreisfläche markiert jenen Bereich, der von Mars Express nicht direkt überflogen wird und daher für MARSIS unsichtbar ist. Bild: Courtesy of NASA/JPL/ASI/ESA/University of Rome/MOLA Science Team/USGS

An seiner dicksten Stelle ist das Eis rund 3,7 Kilometer dick, berichten die Forscher um Jeffrey Plaut vom Jet Propulsion Laboratory und Giovanni Picardi von der römischen Universität „La Sapienza“ im Fachblatt „Science“. Gleichzeitig scheint die Kruste des Mars so stabil zu sein, dass sie sich unter dem Eispanzer nicht merklich durchbiegt.

Die Analyse der Forscher stützt sich auf Daten des MARSIS-Instruments (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding) an Bord von Mars Express. Das Instrument arbeitet ähnlich wie ein Ultraschallgerät: Über zwei meterlange Antennen sendet es Radarpulse gen Mars und registriert die Echos. Deren Zahl und Laufzeit geben Auskunft über die Struktur des Untergrunds und der Atmosphäre.

Im Falle der geschichteten Ablagerungen in der Südpolregion des Mars traten typischerweise zwei Radarechos auf: Das erste stammte von der Oberfläche des eisigen Decke, das zweite von der Grenze zum darunter liegenden Boden. Auf diese Weise konnten Plaut und Kollegen nicht nur die Ablagerungen vermessen, sondern auch eine topographische Karte der verborgenen Marsoberfläche erstellen. Diese zeigt ein relativ ebenes Terrain mit mehreren Vertiefungen zwischen 84 und 87 Grad südlicher Breite. Ob es sich dabei um „Druckstellen“ handelt, die auf die Last der Ablagerungen zurückgehen, oder um Einschlagkrater, ist derzeit noch unklar.

Bemerkenswert ist auch die geringe Dämpfung, die die Radiowellen auf ihrem Weg durch die Polkappe erfahren. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Ablagerungen beinahe ausschließlich aus Wassereis bestehen. Der Staubanteil dürfte nur wenige Prozent betragen, und auch der Überzug aus gefrorenem Kohlendioxid dürfte nur einige zehn Meter mächtig sein.

Karte des Mars-Südpols ohne Eisdecke, Höhe markiert durch unterschiedliche Farben

Die Marsoberfläche unter dem Eispanzer weist mehrere, bis zu einen Kilometer tiefen Senken auf. Ob es sich dabei um „Druckstellen“ oder Einschlagkrater handelt, ist derzeit noch unklar. Die schwarze Linie markiert den Rand der Eisdecke. Bild: Courtesy of NASA/JPL/ASI/ESA/University of Rome/MOLA Science Team/USGS

Forschung: Jeffrey J. Plaut, Jet Propulsion Laboratory, Pasadena, Kalifornien; Giovanni Picardi, Dipartimento Infocom, Università degli Studi di Roma „La Sapienza“; Erling Nielsen, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau; Dirk Plettemeier, Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Technische Universität Dresden; und andere

Veröffentlichung Science Express, DOI 10.1126/science.1139672

WWW:
MARSIS
Jet Propulsion Laboratory
Dipartimento Infocom, Uni Rom
Mars

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mars: Verschüttete Einschlagkrater entdeckt
Mars: Viel Eis in zwei Kilometern Tiefe
Mars Express findet Wasser

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