Posted in: Chemie, Medizin, Wirtschaft 15. März 2007 13:26 Weiter lesen →

Aus der Apotheke der Natur

Auch wenn sie ungleich mehr Aufwand betreiben, haben moderne Pharmaunternehmen noch immer viel mit Kräuterkundlern gemein. Diesen Schluss legt eine Untersuchung amerikanischer Mediziner nahe. Von den in den letzten 25 Jahren zugelassenen Medikamenten gehen demnach 70 Prozent direkt oder indirekt auf biologische Verbindungen zurück.

Dieses Resultat sei umso bemerkenswerter, als Pharmaunternehmen heutzutage mit automatischen Hochdurchsatz-Tests und ausgefeilten Computermodellen arbeiteten, um in riesigen Substanzbibliotheken nach vielversprechenden Strukturen zu fahnden, erläutern David Newman und Gordon Craig vom National Cancer Institute im „Journal of Natural Products“. Dagegen habe die Erforschung von Naturstoffen in den größeren Firmen einen vergleichsweise geringen Stellenwert.

Die beiden Forscher werteten Berichte in einschlägigen Fachzeitschriften sowie Datenbanken aus, um mehr über die Herkunft der in den Jahren 1981 bis 2006 zugelassenen Medikamente zu erfahren. Von 1.184 neuartigen Wirkstoffen stuften sie lediglich 30 Prozent als synthetisch ein. Die übrigen Wirkstoffe werden entweder direkt aus Organismen gewonnen, sind synthetische Kopien bzw. Spielarten von Verbindungen biologischen Ursprungs oder sind zumindest darauf ausgelegt, deren Struktur nachzuahmen.

Zu solchen Wirkstoffen zählen etwa die Acetylsalicylsäure, ursprünglich aus Weidenrinde gewonnen und unter dem Markennamen Aspirin bekannt, und das aus Eiben isolierte Paclitaxel (Markenname Taxol) zur Behandlung von Krebs.

Angesichts der neuen Resultate „empfehlen wir mit Nachdruck, die Erkundung der Natur als Quelle neuartiger aktiver Agenzien […] nicht einzuschränken, sondern auszubauen“, schließen Newman und Craig. Diese Forschung könne Ansätze für die Entwicklung neuer und effektiver Wirkstoffe liefern, wie sie zur Behandlung zahlreicher Krankheiten dringend gebraucht würden.

Forschung: David J. Newman und Gordon M. Cragg, Natural Products Branch, Developmental Therapeutics Program, Division of Cancer Treatment and Diagnosis, National Cancer Institute, Frederick, Maryland

Veröffentlichung in Journal of Natural Products, DOI 10.1021/np068054v

WWW:
National Cancer Institute – Frederick
Exploring Biological Space
A Virtual Space Odyssey
Technologien zur Erforschung neuer Wirkstoffe
High-Throughput Screening

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