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Driftfeste Schafe

14. März 2007 |

Der Versuch, Schafe auf einer abgelegenen Inselgruppe im Indischen Ozean anzusiedeln, trägt erstaunliche genetische Früchte. Kanadische und französische Forscher haben ermittelt, dass eine kleine Mufflon-Population auf den Kerguelen in gut 50 Jahren nichts an genetischer Vielfalt eingebüßt hat - und das, obwohl sie auf ein einziges Gründerpaar zurückgeht.

Eigentlich sollten zufällige Ereignisse in einer solchen Population rasch zur genetischen Verarmung führen, betont David Coltman von der University of Alberta. Wenn beispielsweise ein Lamm mit einer seltenen Genvariante von einer Klippe stürze oder einer Krankheit erliege, könnte diese Variante aus dem lokalen Genpool verschwinden. Diese genetische Drift hat im Fall der Inselschafe aber kaum Spuren hinterlassen, berichten der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt “Proceedings of the Royal Society B”.

Coltman und Kollegen studierten die genetische Entwicklung von Mufflons, die im Jahr 1957 auf der Île Haute ausgesetzt worden waren, einer kaum sieben Quadratkilometer großen Insel der Kerguelen. Die zwei ursprünglichen Tiere, aus einem Pariser Zoo stammend, vermehrten sich rasch: In den 70er-Jahren lebten über 700 Individuen auf der Insel, seitdem schwankt die Zahl zwischen 200 und 600 Tieren.

Aus alten Zähnen, Hörnern und Wollfetzen konnten die Forscher Erbgut selbst der beiden Gründertiere gewinnen und anhand von 25 DNA-Regionen mit dem ihrer Nachkommen vergleichen. Demnach ist die Häufigkeit, mit der Individuen von Vater und Mutter unterschiedliche Varianten erben, im Laufe des Insellebens sogar leicht gestiegen.

“Den Grund dafür vermuten wir darin, dass die natürliche Selektion eine wichtigere Rolle in evolutionären Prozessen spielt als gemeinhin angenommen”, so Coltman weiter. Angesichts harscher Winter, spärlicher Ressourcen und im Gras lauernder Parasiten hätten genetisch vielfältige Tiere vermutlich einen Überlebensvorteil gegenüber solchen mit weniger vielfältigem Genom. “Man könnte sagen, das hat die Mufflons genetisch auf Zack gehalten.”

Forschung: Renaud Kaeuffer, Département des Sciences Biologiques, Université du Québec, Montréal, und Laboratoire de Biométrie et Biologie Évolutive, Université Claude Bernard Lyon I; David W. Coltman, Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B, Vol. 274, pp 527-33, Doi 10.1098/rspb.2006.3743

WWW:
Homepage David Coltman
Mouflons de Kerguelen, Renaud Kaeuffer
Kerguelen
Genetic Drift

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