Nächtliche Reaktivierung festigt Erinnerungen
8. März 2007 |
Wenn das Hirn im Schlaf neue Information rekapituliert, trägt dies zur Festigung des Erlernten bei. Das haben Forscher aus Lübeck und Hamburg mit einem eleganten Experiment nachweisen können. Ihre Probanden erinnerten sich deutlich besser an die Position von Bildkarten, wenn sie sowohl während des Lernens als auch in der folgenden Nacht Rosenduft geschnuppert hatten.

Beim Lernen und während des Schlafs konnte den Teilnehmern Luft mit Rosenduft zugeführt werden. Fotos: Copyright Science
Dieser Effekt stellte sich allerdings nur dann ein, wenn der Rosenduft während der Phasen tiefsten Schlafs präsent war, berichtet die Gruppe um Jan Born von der Universität Lübeck im Magazin “Science”. Auch betraf er nur Faktenwissen und nicht etwa neu erlernte Bewegungsabläufe. Dies bestätige, dass die verantwortliche Struktur im Hippocampus liege - einer Gehirnregion, die als Umschlagplatz zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis dient und von Düften stark aktiviert wird.
Born und Kollegen setzten ihre 18 Probanden Rosenduft aus, während diese die Lage von 15 Bildpaaren lernten, und schickten sie dann ins Bett. In den ersten beiden Tiefschlafphasen mit besonders langsamen, kräftigen Gehirnwellen, leiteten sie erneut nach Rosen duftende Luft in die Nasen der Teilnehmer. Diese fanden am nächsten Morgen durchschnittlich 97 Prozent der Bildpaare wieder. Ohne nächtliche Duftspülung lag der Wert nur bei knapp 86 Prozent.
Messungen per funktioneller Kernspintomographie belegten, dass die nächtliche erneute Verabreichung von Rosenduft zu einem starken Anstieg der Aktivität im Hippocampus führte. Nach Ansicht Borns und seiner Kollegen sprechen ihre Resultate für die Annahme, dass Erinnerungen im Schlaf durch eine Reaktivierung gefestigt werden - und nicht etwa durch das “Ausjäten” überflüssiger Verbindungen zwischen Gehirnzellen.
Forschung: Björn Rasch, Steffen Gais und Jan Born, Klinische Forschergruppe Neuroendokrinologie, Universität Lübeck; Christian Büchel, Neuroimage Nord, Institut für Systemische Neurowissenschaften, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Veröffentlichung Science, Vol. 315, 9. März 2007, pp 1426-9, DOI 10.1126/science.1138581
WWW:
Klinische Forschergruppe Neuroendokrinologie, Uni Lübeck
Der normale Schlaf und seine Variationen
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schlaf stärkt das Gedächtnis
Schlafmangel stört “Selbstverjüngung” des Gehirns
Bienen: Auf der Duftstraße der Erinnerungen



Antikörper