Klimawandel: Bäume rücken sprunghaft vor
6. März 2007 |
Die Gebirgsvegetation kann sehr sprunghaft auf den Klimawandel reagieren, zeigen Untersuchungen zweier kanadischer Biologen in den nördlichen Ausläufern der Rocky Mountains. Die dortigen Bäume und Sträucher nutzten ungewöhnlich milde Jahre, um die Baumgrenze in großen Schritten in die Gebirgstundra mit ihrer spezialisierten Flora und Fauna auszudehnen.
“Die gängige Vorstellung von der Dynamik der Baumgrenze war, dass ein solches Voranschreiten sehr langsam geschieht, weil die Bedingungen in diesen Höhenlagen und Breitengraden so harsch sind”, erklärt Ryan Danby von der University of Alberta. Die neuen Daten sprächen gegen diese Ansicht. “Es ist fast so, als hätten die Bäume günstige Bedingungen abgewartet und dann beschlossen, im Laufschritt vorzustoßen.”
Danby und sein Kollege David Hik führten ihre Arbeit im kanadischen Yukon Territory an der Grenze zu Alaska durch. Die Forscher analysierten das Jahresring-Muster von Weißfichten und Weiden an mehreren Berghängen, um die Bestandsdichte und die Lage der Baumgrenze in den letzten 300 Jahren zu rekonstruieren. Ihre Resultate präsentieren sie im “Journal of Ecology”.
Vor allem die Fichten reagierten demnach auf eine Wärmeperiode, die in den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts einsetzte. An sonnenbeschienenen Südhängen trieben die Koniferen die Baumgrenze binnen weniger Jahre um bis zu 85 Meter in die Höhe, während an Nordhängen zumindest die Bestandsdichte nahe der Baumgrenze um bis zu 65 Prozent zunahm.
Vermutlich hätten die Bäume in Jahren mit warmen und trockenen Sommern besonders viel Samen produziert, so Danby. Milde Folgejahre hätten dann das Wachstum der Sämlinge begünstigt, sodass diese auf ihrem vorgeschobenen Posten auch erneute Kälteperioden vertrugen. Die neuen Bäume begünstigten wiederum das weitere Voranschreiten der Baumgrenze, da sie Sonnenlicht absorbierten und einen Teil davon als Wärmestrahlung wieder abgäben. Die neuen Resultate “belegen daher, dass die Pflanzenwelt eine wichtige Rolle bei den Reaktionen auf die weitere Erwärmung spielen wird”, schließt der Forscher.
Forschung: Ryan K. Danby und David S. Hik, Department of Biological Sciences, University of Alberta, Edmonton
Veröffentlichung Journal of Ecology, Vol. 95(2), pp 352-63, DOI 10.1111/j.1365-2745.2006.01200.x
WWW:
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