Posted in: Ernährung, Gesundheit, Medizin 28. Februar 2007 06:01 Weiter lesen →

Zusätzliche Antioxidantien möglicherweise schädlich

Wer neben Obst und Gemüse zusätzlich Antioxidantien nimmt, schadet damit seinem Geldbeutel und vielleicht auch seiner Gesundheit. Zu diesem Schluss kommt eine europäische Forschergruppe nach einer umfassenden Analyse entsprechender Studien. Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Betacarotin, Vitamin A und Vitamin E scheint demnach sogar mit einer erhöhten Sterblichkeit einherzugehen.

„Unsere Resultate widersprechen jenen von Beobachtungsstudien, denen zufolge Antioxidantien der Gesundheit förderlich sein sollen“, schreiben die Forscher um Goran BjelakoviÄ vom Universitätsklinikum Kopenhagen und der Universität Niš im „Journal of the American Medical Association“. Einen solchen Effekt scheine von den fünf untersuchten Mitteln lediglich Selen aufzuweisen, während die vorhandenen Daten im Falle des Vitamin C keine eindeutig positive oder negative Wirkung belegten.

BjelakoviÄ und Kollegen analysierten Daten aus 68 klinischen Studien mit insgesamt mehr als 230.000 Teilnehmern, bei denen der Einsatz von Antioxidantien zwecks Vorbeugung von Krankheiten und Tod untersucht worden war. Die jeweiligen Resultate hängen demnach auch vom Studienprotokoll ab, fanden die Forscher. Während die 47 stringent durchgeführten Studien eher neutrale bis negative Resultate lieferten, tendierten die methodisch nicht einwandfreien Studien zu positiven Resultaten.

Die Ergebnisse der Meta-Analyse ständen auch im Widerspruch zu den Aussagen des intensiven Marketings, so die Forscher weiter. „Wenn wir berücksichtigen, dass 10 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Nordamerikas und Europas – 80 bis 160 Millionen Menschen – die betrachteten Ergänzungsmittel konsumieren, könnten die Implikationen für die öffentliche Gesundheit erheblich sein.“

Unklar sei, warum die zusätzlichen Vitamine bzw. Provitamine sogar schädlich zu wirken schienen. Vielleicht verhinderten sie, dass der Körper erhöhten oxidativen Stress als Folge einer Erkrankung bemerke und entsprechende Maßnahmen einleite, schreibt die Gruppe. Um diese Frage zu klären, müsse man zunächst die Rolle von Antioxidantien im Zusammenhang mit Krankheiten verstehen.

Forschung: Goran BjelakoviÄ und Christan Gluud, Cochrane Hepato-Biliary Group, Copenhagen Trial Unit, Center for Clinical Intervention Research, Rigshospitalet, Kopenhagen, und Department of Internal Medicine, Gastroenterology and Hepatology, University of Niš, Niš; und andere

Veröffentlichung JAMA, Vol. 297, pp 842-57

WWW:
Copenhagen Trial Unit, Rigshospitalet
Freie Radikale und Antioxidantien
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
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