Werktags schöneres Wetter
27. Februar 2007 |
Wenn der sonntägliche Familienausflug buchstäblich ins Wasser fällt, hadert so mancher mit seinem Schicksal. Regen am Wochenende scheint jedoch auch ein hausgemachtes Phänomen zu sein, haben zwei Karlsruher Forscher entdeckt. Ihrer Analyse zufolge, zeigen Niederschläge, Bewölkung und Temperatur einen deutlichen Wochengang.
Eine mögliche Erklärung für diese systematische Variation liefere die werktags höhere Produktion winziger Ruß- und Schwefelpartikel, erklärt Bernhard Vogel vom Forschungszentrum Karlsruhe. “Diese Partikel und ihre gasförmigen Vorläufersubstanzen werden verstärkt an Wochentagen von Verkehr und Industrie emittiert, während die Emissionen samstags und insbesondere sonntags deutlich zurückgehen.” Diese Aerosol-Teilchen beeinflussen wiederum die Sonneneinstrahlung am Erdboden und die Wolkenbildung.
Vogel und sein Kollege Dominique Bäumer analysierten Messdaten von zwölf, sehr unterschiedlich gelegenen Stationen des Deutschen Wetterdienstes aus den Jahren 1991 bis 2005. Demnach erreichen die mittleren Temperaturen mittwochs ihr Maximum und liegen dann um mehr als 0,2 Grad Celsius über dem samstäglichen Minimum. Ähnlich ungünstig sieht es in puncto Sonnenscheindauer aus: Der Maximalwert liegt hier am Wochenanfang um 15 Minuten oder sechs Prozent über dem - wiederum samstäglichen - Minimalwert. Mittlere Bewölkung, Niederschlagsmenge und Niederschlagshäufigkeit steigen dagegen im gleichen Zeitraum.
“Dieses Phänomen tritt nicht nur an Stationen in relativ dicht besiedelten Regionen wie Berlin, Frankfurt oder Karlsruhe auf, sondern auch an entlegenen Bergstationen wie auf der Zugspitze”, erklärt Bäumer. “Es handelt sich somit nicht um ein begrenztes lokales Phänomen, das beispielsweise mit direkten Wärmeemissionen erklärt werden könnte.” Da kein natürlicher Prozess über einen Zeitraum von 15 Jahren eine solch stabile Periodizität bewirken könne, komme als Ursache nur die im Wochenzyklus variierende menschliche Aktivität infrage.
Über ähnliche, allerdings lokal begrenzte Schwankungen hatten kürzlich japanische Forscher berichtet. In den Bürovierteln Tokyos ist es demnach im Sommer an Werktagen heißer als an Wochenenden. Wahrscheinliche Ursache sind die Abluft und die Betriebswärme der unzähligen, auf Hochtouren laufenden Klimaanlagen.
Forschung: Dominique Bäumer und Bernhard Vogel, Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Forschungszentrum Karlsruhe und Universität Karlsruhe
Veröffentlichung Geophysical Research Letters, Vol. 34, L03819, DOI 10.1029/2006GL028559
WWW:
Institut für Meteorologie und Klimaforschung, Forschungszentrum Karlsruhe
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