Abends schneller schwimmen
27. Februar 2007 |
Die innere Uhr des Menschen wirkt sich auch auf seine Leistungen im Sport aus. Das haben amerikanische Physiologen mit einem ungewöhnlichen Kurztag-Experiment nachweisen können. In den späten Abendstunden bewältigen die Teilnehmer eine 200 Meter lange Schwimmstrecke fast sechs Sekunden schneller als in den frühen Morgenstunden.
“Diese Daten weisen auf einen circadianen Rhythmus der sportlichen Leistungsfähigkeit hin, unabhängig von maskierenden Umwelt- und Verhaltenseffekten”, folgern die Forscher um Shawn Youngstedt von der University of South Carolina. Sportler und ihre Trainer könnten dieses Wissen nutzen, um sich optimal auf Wettkämpfe vorzubereiten - ganz besonders dann, wenn sie bei der Anreise mehrere Zeitzonen durchqueren müssten.
Getaktet durch den Wechsel von Tag und Nacht, beeinflusst die innere Uhr im Hirn viele körperliche Faktoren wie etwa Stoffwechselrate und Körpertemperatur. Zwar wird seit längerem vermutet, dass sich dies auch auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Bei früheren Studien hatten Störfaktoren wie Nahrungsaufnahme, Gelenksteifigkeit nach der Bettruhe, Schläfrigkeit oder Umgebungstemperatur jedoch nicht isoliert werden können.
Youngstedt und Kollegen lösten dieses Problem, indem sie 25 durchtrainierte Schwimmer bis zu 55 Stunden lang extrem kurze “Tage” durchleben ließen - bestehend aus jeweils einer Stunde Schlaf in völliger Dunkelheit und zwei Stunden Wachheit in Dämmerlicht. Alle neun Stunden mussten die Teilnehmer eine 200-Meter-Strecke mit maximalem Einsatz zurücklegen. Die Werte folgten einem klaren Rhythmus, berichten die Forscher im “Journal of Applied Physiology”: Im Leistungsmaximum gegen 23 Uhr legten die Schwimmer die Strecke 5,84 Sekunden schneller zurück als im Leistungsminimum gegen 5 Uhr.
Zum Vergleich: Im Jahr 2004 lagen im olympischen Finale über 200 Meter Freistil der Herren lediglich 0,61 Sekunden zwischen Gold- und Bronzemedaille und 3,69 Sekunden zwischen erstem und achtem Platz. Bei den Damen waren die Unterschiede sogar noch knapper.
Forschung: Christopher E. Kline und Shawn D. Youngstedt, Department of Exercise Science, Arnold School of Public Health, University of South Carolina, Columbia; und andere
Veröffentlichung Journal of Applied Physiology, Vol. 102, pp 641-9, DOI 10.1152/japplphysiol.00910.2006
WWW:
Department of Exercise Science, University of South Carolina
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