Stille stellare Säuglinge
Freitag, 16. Februar 2007, 16:24 • Rubrik Astronomie.
Anders als menschliche Säuglinge, sind in der Entstehung begriffene Sterne vergleichsweise stille Objekte. Das schließen amerikanische und britische Astronomen aus einer neuen Aufnahme des berühmten Adlernebels. Von den zahlreichen Gaskokons, in deren Innerem wahrscheinlich neue Sterne heranreifen, gibt demnach kein einziger hochenergetische Strahlung ab.

Der in E42 vermutete Sonnenzwilling sendet noch keine harte Strahlung aus. Hubble-Aufnahme der “Säulen der Schöpfung”, die darüber gelegte Chandra-Aufnahme zeigt unterschiedlich energetische Röntgenquellen als farbige Punkte. Bild: Courtesy NASA/ESA/STScI, J. Hester and P. Scowen (ASU)
Das gilt insbesondere für eine kugelige Gaswolke mit der Bezeichnung E42, berichten Jeffrey Linsky von der University of Colorado, Boulder, und seine Kollegen im “Astrophysical Journal”. Die Masse dieser Globule werde auf eine Sonnenmasse geschätzt, so der Forscher. “Wir glauben, dass wir es mit einer sehr, sehr frühen Version unserer Sonne zu tun haben.”
Linsky und seine Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Chandra, um den rund 7.000 Lichtjahre entfernten Adlernebel zu beobachten. Der dichte Gasnebel weist fingerförmige Auswüchse auf, die zahlreiche Gasglobulen beherbergen und daher als “Säulen der Schöpfung” bezeichnet wurden. Doch während aus elf der 73 bekannten Globulen Infrarotstrahlung als Hinweis auf einen sich bildenden Stern oder Braunen Zwerg hervordringt, sendet keine von ihnen Röntgenstrahlung aus.
“Unsere Resultate lassen vermuten, dass junge, sich entwickelnde Sterne wie E42 noch nicht die magnetischen Strukturen ausgebildet haben, die zur Produktion von Röntgenstrahlung nötig sind”, folgert Linsky. Umgekehrt scheinen die Gassäulen ihre produktive Phase bereits hinter sich zu haben, glauben der Astronom und seine Kollegen. Zwar konnten sie auf der Röntgenaufnahme mehr als 1.100 heiße, ausgewachsene Sterne anhand ihrer Strahlung identifizieren. Innerhalb der “Säulen” selbst fanden sich jedoch nur eine Handvoll solcher Objekte.
Forschung: Jeffrey L. Linsky, JILA, University of Colorado and National Institute of Standards and Technology, Boulder; Morten Andersen, Steward Observatory, University of Arizona, Tucson; und andere
Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 654, pp 347-60; Preprint astro-ph/0610279
WWW:
Homepage Jeffrey Linsky
Chandra
Inside Eagle Nebula
Embryonic Stars Emerge from Interstellar “Eggs”
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kleine Sterne bleiben klein
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken






Neueste Kommentare