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Steht die Gesundheit in den Sternen?

Auch wenn die Sterne nicht lügen, so werden sie doch maßlos überinterpretiert. Das demonstriert eine groß angelegte Studie kanadischer Mediziner. Indem sie die Krankenakten mehrerer Millionen Personen mit deren Sternzeichen verknüpften, fanden sie tatsächlich einige Auffälligkeiten. Einer Prüfung auf Herz und Nieren hielten diese allerdings nicht stand.

Der Wert des statistischen Lehrstücks sei nicht auf die Astrologie beschränkt, betont Peter Austin von der University of Toronto. „Ersetzen Sie das Sternzeichen durch ein anderes Merkmal wie Geschlecht oder Alter, und sofort legt sich Ihr Gehirn Erklärungsmöglichkeiten für die beobachteten Assoziationen zurecht.“ Austin und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate auf einem internationalen Wissenschaftstreffen in San Francisco.

Die Forscher teilten sämtliche 10.674.945 Einwohner der kanadischen Provinz, die im Jahr 2000 zwischen 18 und 100 Jahre alt waren, nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Anhand der Daten der ersten Gruppe bestimmten sie, welche Sternzeichen wie häufig aufgrund einer von 223 Krankheiten stationär behandelt worden waren. Ein einfacher statistischer Vergleich ergab mindestens zwei „typische“ Erkrankungen für jedes einzelne Sternzeichen: Beispielsweise entwickeln Fische häufiger als alle anderen Sternzeichen eine Herzschwäche, während Waagen besonders anfällig für Beckenbrüche sind.

Überprüften die Forscher die Daten der zweiten Gruppe auf diese Zusammenhänge, blieben lediglich zwei bestehen: Löwen haben häufiger Blutungen im Magen-Darm-Trakt und Schützen brechen sich häufiger den Oberarmknochen. Nun berücksichtigten Austin und Kollegen noch, dass sie eine Vielzahl statistischer Vergleiche innerhalb der gleichen Gruppe angestellt hatten und damit schon rein zufällig irgendwann fündig werden mussten. Damit lösten sich auch die letzten zwei Zusammenhänge in Wohlgefallen auf.

„Je intensiver wir nach Mustern suchen, desto eher werden wir sie auch finden“, erklärt Austin, „und zwar ganz besonders dann, wenn wir nicht von einer bestimmten Fragestellung ausgehen.“ Dies sei der Grund, warum beispielweise Versuche mit neuen Medikamenten penibel geplant und von unabhängigen Forschergruppen wiederholt werden müssten.

Forschung: Peter C. Austin, Institute for Clinical Evaluation Sciences, Toronto, Department of Public Health und Department of Health Policy, Management and Evaluation, University of Toronto, Toronto, Ontario; und andere

Präsentation auf dem 2007 AAAS Annual Meeting, San Francisco; Veröffentlichung Journal of Clinical Epidemiology, Vol. 59(9), pp 964-9, DOI 10.1016/j.jclinepi.2006.01.012

WWW:
Public Health Sciences, University of Toronto [1]
Statistical Test [2]

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