Posted in: Genetik 15. Februar 2007 18:01 Weiter lesen →

Sparzwang ließ Höhlenfisch erblinden

Höhlenfische haben ihre Augen nicht zufällig verloren. Vielmehr scheint ein starker Selektionsdruck in diese Richtung zu wirken, hat eine amerikanische Biologin am Beispiel eines mexikanischen Höhlenfischs ermittelt. Indem sich die Tiere an das Leben ohne Licht anpassten, wurden demnach sämtliche genetischen Stellschrauben in Richtung Augenverlust gedreht.

Dieses Resultat stehe im Gegensatz zur Einschätzung Charles Darwins, schreibt die Gruppe um Meredith Protas von der Harvard University im Fachblatt „Current Biology“. Der Vater der Evolutionstheorie habe vermutet, dass Augen unter Tage wohl nutzlos, jedoch kaum schädlich sein könnten. Allerdings habe er nicht wissen können, dass die Netzhaut der Augen im laufenden Betrieb mehr Energie benötige als jedes andere Gewebe des Körpers.

Protas und Kollegen studierten einen nordamerikanischen Salmler (Astyanax mexicanus). Einige Populationen der Art leben ausschließlich in Höhlen und besitzen weder Augen noch Hautpigmente, dafür aber geschärfte chemische Sinne. In Oberflächengewässern lebende Tiere sind dagegen bunt gefärbt und besitzen große Augen.

Die Forscher kreuzten Vertreter beider Typen und erzeugten so Fische, die einen bunten Mix aus Höhlen- und Tageslicht-Genvarianten trugen. Dann testeten sie mehrere Hundert Genorte darauf, ob deren Variationen Einfluss auf den Körperbau der Mischlinge hatten. Tatsächlich scheinen sich 12 dieser Genorte auf die Augen und 13 Genorte auf die Pigmentierung auszuwirken. Im ersten Fall gehen sämtliche Höhlen-Varianten mit einer Reduktion von Augen bzw. Linsen einher, im zweiten Fall führten einige Höhlen-Varianten sogar zu einer stärkeren Pigmentbildung.

Laut Protas und Kollegen lassen diese Resultate vermuten, dass die Höhlenbewohner ihre nicht länger benötigte Pigmentierung eher beiläufig verloren haben. Der Verlust der Augen scheine dagegen einer „aktiven Selektion“ zu unterliegen, sodass sich alle entsprechenden Genvarianten in der Höhlenpopulation durchsetzen und halten konnten. Offenbar beruhe die Entwicklung zum Höhlenbewohner nicht auf einem einzigen Mechanismus, schließen die Forscher.

Forschung: Meredith Protas, Joshua B. Gross und Clifford Tabin, Department of Genetics, Harvard University, Boston, Massachusetts; Melissa Conrad und Richard Borowsky, Department of Biology, New York University, New York

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2007.01.051

WWW:
Tabin Lab, Harvard Medical School
Cave Biology Research Group, New York University
Mexican Blind Cave Tetra
Virtual Cave

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Älteste Höhlen identifiziert
Urtümliches Höhlen-Ökosystem entdeckt
Fledermäuse werfen Hirn-Ballast ab

Posted in: Genetik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (noch unbewertet)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.