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Wurm treibt Krebse in den Selbstmord

Montag, 12. Februar 2007, 18:10 • Rubrik Biologie.

Viele Parasiten bewirken erstaunliche Verhaltensänderungen bei ihrem Wirt. Über einen neuen Fall einer solchen Fremdkontrolle berichten Bonner Biologen im “International Journal for Parasitology”. Von Wurmlarven befallene Bachflohkrebse schwimmen räuberischen Fischen förmlich vors Maul, statt ihnen aus dem Weg zu gehen.

Der Zweck der Übung: Erst im Darm des Fisches können sich die Larven des Wurms, des Kratzers Pomphorhynchus laevis, zu geschlechtsreifen Tieren entwickeln und für Nachwuchs sorgen. Werden ihre Eier von dem Fisch mit dem Kot ausgeschieden, können sie wieder von einem Flohkrebs aufgenommen werden.

Sebastian Baldauf von der Universität Bonn und seine Kollegen studierten das Verhalten von Bachflohkrebsen, die eben dies getan hatten. Die Forscher unterteilten ein Aquarium mit feinmaschigen Netzen in zwei Etagen und die obere Etage nochmals in zwei Hälften. Dann setzten sie in die untere Etage Krebse, in die obere dagegen einen Flussbarsch. Prompt schwammen die infizierten Krebse auf jene Seite des Aquariums, auf der auch der Fisch schwamm. Nicht infizierte Artgenossen zogen sich dagegen auf die andere Seite zurück.

Das gleiche Bild ergab sich, wenn die Forscher lediglich etwas Wasser, in dem sich der Fisch aufgehalten hatte, in das Aquarium gossen. “P. laevis scheint also die Verarbeitung der Geruchsreize in den Krebsen umzukehren”, folgert Baldauf. Konnten die Krebse ihren Fressfeind sehen, aber nicht riechen, zeigten infizierte und nicht infizierte Tiere keine klare Präferenz für eine Seite des Aquariums.

Forschung: Sebastian A. Baldauf und Harald Kullmann, Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; und andere

Veröffentlichung International Journal for Parasitology, Vol. 37(1), pp 61-5, DOI 10.1016/j.ijpara.2006.09.003

WWW:
Evolutionsbiologie und Ökologie, Uni Bonn
Acanthocephala
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