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Bakterien auf der Pilz-Autobahn

Donnerstag, 8. Februar 2007, 16:41 • Rubrik Biologie, Chemie, Technik.

Das dichteste Verkehrsnetz der Welt findet sich unter der Erdoberfläche. Das belegen Versuche Leipziger Mikrobiologen. Indem Pilzfäden durch den Boden wachsen und dabei größere Hohlräume durchspannen, fungieren sie als “Autobahnen” für Bakterien.

Eingefärbte Mikroskopaufnahme, zeigt ein Geflecht giftgrüner Pilzfäden auf einem grauen Untergrund

Bodenpilze, hier eine laser-scanning-mikroskopische Aufnahme von Fusarium oxysporum, bilden dichte Geflechte feiner Zellfäden. Bild: Dr. Thomas Neu/UFZ

Auf der feucht-schleimigen Oberfläche der Zellfäden reitend, können die Bakterien schnell Entfernungen im Zentimeterbereich zurücklegen, berichten Lukas Wick vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und seine Kollegen im Fachblatt “Environmental Science & Technology”. Dieses Phänomen könnte helfen, kontaminierte Böden schnell und effektiv mit schadstoffabbauenden Bakterien zu reinigen.

Pilze erschließen sich das Erdreich mit einem Geflecht feinster Zellfäden. Ein solches Mycel in nur einem Gramm Ackerboden kann rasch auf bis zu 100 Meter Gesamtlänge anwachsen. Wick und Kollegen wollten herausfinden, ob es dabei auch Passagiere transportieren kann. Ihre Teststrecke bestand aus sorgfältig sterilisiertem Boden, auf dem eine Trennschicht aus Glaskügelchen lag und darauf wiederum eine Bodenschicht mit dem Schadstoff Phenanthren.

Gaben die Forscher den Bodenpilz Pythium ultimum und das Bakterium Pseudomonas putida an die Unterseite einer solchen Säule, verschwand binnen Tagen der Schadstoff aus der obersten, kontaminierten Bodenschicht. Mikroskopaufnahmen belegten, dass Pilzfäden durch die gesamte Säule gewuchert waren und auf ihnen Bakterien saßen. Gaben die Forscher nur den Pilz oder nur das Bakterium zu der Testsäule, fand kein Schadstoffabbau statt.

Luft und Feuchtigkeitsmangel behinderten die Ausbreitung von Bakterien im Erdreich, erläutert Wick. “Das ist auch der Grund, weshalb gewisse Schadstoffe so schlecht im Boden abgebaut werden. Es ist häufig nicht ein Mangel an biochemischer Kapazität sondern ein Mangel an Kontakten.” Die Pilz-Autobahn könnte diesen Mangel beseitigen, hofft der Mikrobiologe.

Forschung: Lukas Y. Wick und Hauke Harms, Department Umweltmikrobiologie, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig; und andere

Veröffentlichung Environmental Science and Technology, Vol. 41, pp 500-5, DOI 10.1021/es061407s

WWW:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Bodenwelten.de
Phenanthrene
Bioremediation

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Speiseöl gegen Bodenschadstoffe
Auf der Jagd nach bakteriellen Entsorgern
Bakterium verputzt Schadstoffe


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