Facetten von Geist

1. Februar 2007 20:01 Drucken

Ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper, weiß der Volksmund. Was genau er dabei mit “Geist” meint, haben amerikanische Psychologen durch ein Online-Experiment zu ermitteln versucht. Die gut 2.000 Teilnehmer schienen Wesen und Dingen nicht einfach viel oder wenig Geist zuzuschreiben, sondern in den Dimensionen Erlebnisfähigkeit und Handlungsfähigkeit zu denken.

Beide Komponenten können bei einem Objekt durchaus unterschiedlich ausgeprägt sein, berichten Kurt Gray von der Harvard University und seine Kollegen im Magazin “Science”. Nach eigener Auskunft zumindest mäßig religiös, hätten die Teilnehmer Gott als höchst handlungsfähig, aber kaum erlebnisfähig eingestuft. “Es erscheint uns nur schwer vorstellbar, dass Gott unsere Gefühle und Gelüste teilt”, vermutet Gray.

Im Rahmen des Experiments stellten die Teilnehmer Vergleiche an zwischen sich selbst, unterschiedlich alten Menschen, einem Mann im Koma, einer Toten, drei Tieren, einem Roboter und Gott. Dabei sollten sie einschätzen, bei welcher der jeweils verglichenen Wesenheiten 18 Fähigkeiten wie Schmerzempfinden, Selbstkontrolle und Erinnerung stärker ausgeprägt waren.

Die statistische Analyse ergab, dass sich die Antworten gut in Form zweier Faktoren zusammenfassen lassen. Der erste Faktor “Erlebnisfähigkeit” beinhaltet vor allem Empfindungen wie Hunger, Angst, Schmerz und Freude und kann die verschiedenen Antworten zu 88 Prozent erklären. Der zweite Faktor “Handlungsfähigkeit” umfasst dagegen Fähigkeiten wie Selbstkontrolle, Moral, Erkennen von Gefühlen und Planen.

Beide Faktoren waren bei den Teilnehmern selbst sowie erwachsenen Männern und Frauen stark ausgeprägt, berichten Gray und Kollegen. Fötus, Koma-Patient und Frosch sei nur Empfindungsfähigkeit zugeschrieben worden, dem Roboter lediglich eine mäßig ausgeprägte Handlungsfähigkeit.

Forschung: Heather M. Gray, Kurt Gray und Daniel M. Wegner, Department of Psychology, Harvard University, Cambridge, Massachusetts

Veröffentlichung Science, Vol. 315, 2. Februar 2007, p 619, DOI 10.1126/science.1134475

WWW:
Mind Surveys, Harvard University
The Turing Test
Science, Ethics, and Moral Status

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