Strahlung sterilisiert Mars
29. Januar 2007 |
Wer auf dem Mars nach Spuren von Leben suchen will, muss tief graben. Tiefer, als es die derzeitigen Entwürfe für entsprechende Missionen vorsehen, befürchtet eine englisch-schweizerische Forschergruppe. Ihren Simulationen zufolge, hat energiereiche Strahlung aus dem Weltraum auch den Untergrund des roten Planeten längst sterilisiert.
“Angesichts der ionisierenden Strahlung ist es schlicht nicht plausibel, dass Leben im Ruhezustand im oberen Bereich des Untergrunds - innerhalb der ersten paar Meter unter der Oberfläche - überlebt hat”, erklärt Lewis Dartnell vom University College London.
Das irdische Leben wird durch das Erdmagnetfeld und die dichte Atmosphäre vor Strahlung aus den Tiefen des Alls und von der Sonne geschützt. Dagegen dürfte der Mars sein Magnetfeld schon vor Jahrmilliarden eingebüßt haben und besitzt nur mehr eine dünne Rest-Atmosphäre. Mit einem ausgeklügelten Computermodell simulierten Dartnell und Kollegen den Weg der kosmischen Strahlung durch diese Gashülle und durch knochentrockenes Gestein und Wassereis. Ihre Resultate präsentieren sie im Fachblatt “Geophysical Research Letters”.
Sollte sich Leben in der feucht-warmen Vergangenheit des Mars entwickelt und bis heute gehalten haben, dürfte es demnach nur wenige leicht zugängliche, potenzielle Fundstätten geben. Dazu gehöre etwa der kürzlich entdeckte, zugefrorene See in der Elysium-Ebene, so die Forscher. Einerseits habe er sich vermutlich erst vor wenigen Jahrmillionen gebildet, andererseits stelle das Wassereis einen wirksamen Schutzschild dar. Weitere vielversprechende Fundstätten seien junge Einschlagkrater, in denen der Untergrund noch nicht allzu lange der kosmischen Strahlung ausgesetzt sei, und die in den letzten Jahren entstandenen “Abflussrinnen” an einigen Kraterwällen.
“Spuren vergangenen Lebens - Proteine, DNA-Fragmente oder Fossilien - wären bereits eine großartige Entdeckung”, so Dartnell weiter. “Der Heilige Gral der Astrobiologen ist es jedoch, eine lebende Zelle zu finden, die wir aufwärmen, mit Nährstoffen versorgen und zu neuem Leben erwecken können.” Die neuen Resultate lieferten wichtige Hinweise für die Suche nach diesem Gral.
Forschung: Lewis R. Dartnell, Centre for Mathematics & Physics in the Life Sciences and Experimental Biology, University College London; Laurent Desorgher, Physikalisches Institut, Universität Bern; und andere
Veröffentlichung Geophysical Research Letters, 30. Januar 2007
WWW:
UCL CoMPLEX
- Homepage Lewis Dartnell
Mars
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Elektrizität könnte Mars sterilisieren
Mars: Viel Eis in zwei Kilometern Tiefe
Ein zugefrorener See auf dem Mars



Antikörper