Forscher: Lernen könnte Alzheimer bremsen
24. Januar 2007 |
Wer sein Gehirn auf Trab hält, könnte damit aktiv gegen die Alzheimersche Krankheit anarbeiten. Darauf deuten Versuche mit genetisch veränderten Mäusen hin, die amerikanische Neurowissenschaftler angestellt haben. Absolvierten die Tiere wiederholt ein Gedächtnistraining, entwickelten sie bis zu einem gewissen Alter schwächere Symptome der Erkrankung.
“Diese bemerkenswerten Resultate lassen vermuten, dass geistig anregende Tätigkeiten wie Lesen oder das Lösen von Kreuzworträtseln helfen könnten, die Alzheimersche Krankheit bei Älteren zu verzögern oder zu verhindern”, erklärt Frank LaFerla von der University of California in Irvine. Der Forscher und seine Kollegen präsentieren ihre Resultate im “Journal of Neuroscience”.
Bei der Alzheimerschen Krankheit geht die Leistungsfähigkeit des Gehirns immer weiter zurück. Die Betroffenen sind zunächst nur etwas vergesslich oder verwirrt, erkennen irgendwann ihre nächsten Verwandten nicht mehr und können schließlich nicht mehr schlucken. Gleichzeitig entwickeln sich im Gehirn der Betroffenen Ablagerungen zweier Proteine. LaFerla und seine Kollegen führten ihre Studie mit Mäusen durch, deren Erbgut die entsprechenden Gene enthält und die ebenfalls die typischen Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen entwickeln.
In regelmäßigen Abständen wurden die Tiere viermal täglich in ein Wasserbecken gesetzt und mussten darin zu einer Plattform schwimmen, die gerade eben von Wasser bedeckt war. Dieses Training schien einen schützenden Effekt auf die Gehirnzellen zu haben: Verglichen mit gleichaltrigen untrainierten Tieren, wiesen die “gelehrten” Mäuse rund 60 Prozent weniger Plaques und Fibrillen auf und legten eine bessere Lernfähigkeit an den Tag. Der Effekt hielt jedoch nur bis zum Alter von 12 Monaten an. Unabhängig vom Training, zeigten ältere Tiere ähnlich ausgeprägte Ablagerungen und ähnlich schlechte Leistungen.
Dass ein relativ leichtes Training einen derart starken Effekt auf die Pathologie der Krankheit und auf den Rückgang der geistigen Fähigkeiten haben könne, sei eine echte Überraschung, erklärt LaFerlas Kollege Kim Green. “Wir untersuchen nun, ob häufigeres und intensiveres Lernen größere und länger anhaltende Vorteile im Hinblick auf die Alzheimersche Erkrankung mit sich bringt.”
Forschung: Lauren M. Billings, Kim N. Green, James L. McGaugh und Frank M. LaFerla, Department of Neurobiology and Behavior, Center for Neurobiology of Learning and Memory, und Institute for Brain Aging and Dementia, University of California, Irvine
Veröffentlichung Journal of Neuroscience, Vol. 27(4), 24. Januar 2007, DOI 10.1523/JNEUROSCI.4800-06.2007
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