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Afrikanisches Erbgut bei britischen Eingeborenen

Mittwoch, 24. Januar 2007, 11:02 • Rubrik Genetik, Kultur.

Schon vor vielen Jahrhunderten lebten Afrikaner in Britannien. Die älteste genetische Spur dieser Menschen hat eine europäische Forschergruppe entdeckt. Im Erbgut alteingesessener Engländer stießen die Genetiker auf ein westafrikanisches Geschlechtschromosom, das vor spätestens 250 Jahren in den Stammbaum gelangt sein muss.

Bereits vor 1.800 Jahren hätten Afrikaner als römische Legionäre den Hadrianswall an der Grenze zu Schottland verteidigt, schreiben die Forscher um Mark Jobling von der University of Leicester im “European Journal of Human Genetics”. Zu Zeiten der Tudors seien dunkelhäutige Diener und Unterhalter regelrecht en vogue gewesen, sodass im ausgehenden 18. Jahrhundert schätzungsweise 10.000 Afrikaner in Britannien gelebt hätten.

Jobling und seine Kollegen studierten die Y-Chromosomen von 412 Männern, die sich selbst als britisch bezeichneten und deren Großväter in Britannien geboren worden waren. Lediglich ein Mann aus dem ostenglischen Yorkshire fiel aus dem Rahmen: Gemessen an Variationen in mehreren DNA-Abschnitten, gehört sein Y-Chromosom einem besonders alten Typus an. Diese A1-Haplogruppe stammt vermutlich aus dem westlichen Afrika und ist selbst dort nur bei wenigen Prozent der Männer zu finden.

Versuchsweise analysierten die Genetiker das Erbgut von weiteren 18 Männern, die ebenfalls aus dem Osten Yorkshires stammen und den gleichen seltenen Familiennamen tragen. Tatsächlich fanden sie sechs Y-Chromosomen vom A1-Typ. Intensive Ahnenforschung ergab, dass die sieben Männer zwei Linien angehören, die sich bis in die Jahre 1788 bzw. 1789 zurückverfolgen lassen. Der letzte gemeinsame Ahn beider Linien dürfte im Jahr 1734 gelebt haben, schätzen die Forscher.

“Dieses bemerkenswerte Y-Chromosom [...] liefert die ersten genetischen Belege für eine langjährige afrikanische Präsenz in Britannien”, schließen Jobling und Kollegen. Gleichzeitig stelle es eine Warnung für jene dar, die versuchten, allein aus dem männlichen Geschlechtschromosom auf die Herkunft einer Bevölkerungsgruppe zu schließen. Und nicht zuletzt “unterstreicht es die komplexe Natur menschlicher Wanderungen in der Vergangenheit”.

Forschung: Turi E. King und Mark A. Jobling, Department of Genetics, University of Leicester, Leicester; und andere

Veröffentlichung European Journal of Human Genetics, DOI 10.1038/sj.ejhg.5201771

WWW:
Homepage Mark Jobling
Asian and Black History in Britain, 1500-1850
Haplogroup
Spiegelsäle und Männergene: Y-Chromosom sequenziert

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Vollblüter gehen auf einzigen Hengst zurück


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