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Deutschland wird von der Sonne getaktet

22. Januar 2007 18:01

Das morgendliche Klingeln des Weckers trifft die Menschen im Osten Deutschlands etwas weniger hart als die im Westen. Diesen Schluss legen Untersuchungen eines internationalen Forschertrios nahe. Von Auf- und Untergang der Sonne getaktet, beginnt und endet die biologische Nachtphase in Görlitz eine gute halbe Stunde früher als in Aachen.

Der Einfluss der Sonne auf den persönlichen Tag-Nacht-Rhythmus scheint jedoch umso schwächer zu sein, je mehr Einwohner die jeweilige Stadt hat, berichtet die Gruppe um Till Roenneberger von der Ludwig-Maximilians-Universität München im Fachblatt “Current Biology”. Möglicherweise verschiebe sich in größeren Städten die Gewichtung von natürlichem und künstlichem Licht als Zeitgeber für die innere Uhr.

Indem sich die Erde nach Osten dreht, geht die Sonne im Osten einer Zeitzone früher auf als im Westen. Roenneberger und Kollegen untersuchten, wie stark sich dieser Effekt neben den sozialen Zeitgebern einer modernen Gesellschaft auf die innere Uhr auswirkt. Dazu analysierten sie Daten von 21.600 Einwohnern Deutschlands, die in einem Fragebogen über ihren Tagesablauf gegeben hatten und deren Wohnort bekannt war.

An freien Tagen wird die Mitte der Schlafphase im äußersten Osten Deutschlands demnach 34,2 Minuten früher erreicht als im äußersten Westen. Dieser Wert kommt nahe an die 36-minütige Verschiebung des Sonnenaufgangs heran, wie sie bei einem Abstand von neun Längengraden auftritt. Allerdings gilt er nur für Gebiete mit höchstens 300.000 Einwohnern. In Städten mit bis zu 500.000 Einwohnern liegt er bei 24,2 Minuten, in noch größeren Städten bei lediglich 13,6 Minuten.

Keine Rolle spielt der Breitengrad, ergab ein Vergleich der nördlichen und südlichen Bundesländer. Und auch die DDR-Zeit scheint keinerlei Spuren im Tag-Nacht-Rhythmus hinterlassen zu haben.

Forschung: Till Roenneberg, Institut für Medizinische Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München; C. Jairaj Kumar, Kasturba Medical College, Mangalore; Martha Merrow, Chronobiology Research Group, Rijksuniveriteit Groningen

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 17, 23. Januar 2007, R44-R45, DOI 10.1016/j.cub.2006.12.011

WWW:
Institut für Medizinische Psychologie, LMU München
- Das Leben im Zeitraum Tag
Circadiane Rhythmen
Sonnenzeit und Zeitzonen

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