Top

Nobelpreisträger leben länger

16. Januar 2007 |

Wenn ein Wissenschaftler Anfang Oktober einen Anruf aus Stockholm erhält, kann er auf mehr hoffen als auf Ruhm und Geld. Zwei britische Ökonomen haben ermittelt, dass mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Forscher im Schnitt 1,4 Jahre länger leben als Fachkollegen, die lediglich auf der Kandidatenliste gestanden haben.

Betrachtet man lediglich Forscher gleicher Nationalität, beträgt der Gewinn an Lebensjahren sogar etwa zwei Jahre, fanden Andrew Oswald von der University of Warwick und sein ehemaliger Doktorand Matthew Rablen. Ihrer Ansicht nach bekräftigt dieses Resultat die Annahme, ein hoher sozialer Status wirke sich günstig auf die Lebenserwartung aus. “Wie es dazu kommt, wissen wir nicht”, so Oswald.

Oswald und Rablen verglichen die Lebensläufe aller männlichen Kandidaten für die Chemie- und Physik-Nobelpreise der Jahre 1901 bis 1950. Die zeitliche Beschränkung war unvermeidlich, da die Kandidatenlisten 50 Jahre lang geheim gehalten werden.

Nach Ausschluss von vier Personen, die im Krieg oder bei Unfällen gestorben waren, ergab sich für die 389 “lediglich” nominierten Forscher ein hohes durchschnittliches Sterbealter von 75,8 Jahren. Die 135 Preisträger wurden dagegen im Schnitt 77,2 Jahre alt. Weder die Höhe des Preisgeldes noch die Zahl der Nominierungen hatten messbaren Einfluss auf die Lebenserwartung.

Hinweise auf eine kausale Verbindung zwischen Ansehen und Lebenserwartung hatten bereits Studien an Oscar-Preisträgern und Londoner Regierungsangestellten geliefert. Laut Ansicht Oswald und Rablen geben die Wissenschaftler jedoch eine bessere Studienpopulation ab: Nobelpreisträger müssten sich ihr immenses zusätzliches Ansehen nicht allmählich erarbeiten, sondern erhielten es im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht.

Forschung: Matthew D. Rablen, HM Revenue & Customs, London, und Andrew J. Oswald, Department of Economics, University of Warwick, Coventry

WWW:
Homepage Andrew Oswald
Longevity of screenwriters who win an academy award
Whitehall II Study
Altern ist keine Krankheit

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Genetische Marker für “erfolgreiches” Altern
Winterkinder werden häufiger 105

Bottom