Zweisprachigkeit verzögert Demenz
12. Januar 2007 |
Bei zweisprachigen Menschen macht sich eine Demenz deutlich später bemerkbar als bei einsprachigen. Entsprechende Resultate präsentiert ein kanadisches Forschertrio im Fachblatt “Neuropsychologia”. Wer zeitlebens zwei Sprachen benutzt hat, sucht im Schnitt vier Jahre später einen Arzt auf, weil er sich um seine geistige Leistungsfähigkeit sorgt.
Die Resultate ständen im Einklang mit dem Konzept der “geistigen Reserve”, so Ellen Bialystok von der York University und vom Rotman Research Institute in Toronto. Demnach kann das Gehirn die Folgen organischer Veränderungen umso besser abpuffern, je besser trainiert es ist. Frühere Studien hatten über entsprechende Effekte bei Menschen mit regem sozialen Umfeld und geistig anregenden Hobbys berichtet.
Bialystok und ihre Kollegen Fergus Craik und Morris Freedman analysierten Daten von 184 Personen, die in den Jahren 2002 bis 2005 eine Gedächtnissprechstunde aufgesucht hatten. Zwar erzielten alle bei einem Test ihrer kognitiven Fähigkeiten ähnliche Resultate. Jedoch waren die 91 einsprachigen Patienten bei ihrem ersten Besuch im Schnitt 71,4 Jahre alt, während das Durchschnittsalter der 93 zweisprachigen bei 75,5 Jahren lag. Das galt selbst unter Berücksichtigung weiterer möglicher Einflussfaktoren wie Berufsausbildung und Geschlecht.
Indem die Zweisprachigkeit das Gehirn und insbesondere dessen Flexibilität fordert, kann sie das Auftreten einer Demenz verzögern, nicht jedoch verhindern, vermuten Bialystok und ihre Kollegen. Die Stärke des Effekts sei gleichwohl verblüffend, so Freedman. “Es gibt derzeit kein pharmakologisches Mittel mit derart dramatischer Wirkung.”
Forschung: Ellen Bialystok, Fergus I.M. Craik und Morris Freedman, Department of Psychology, York University, Toronto, Rotman Research Institute at Baycrest, Toronto, und Department of Medicine, Mt. Sinai Hospital, University of Toronto, Toronto, Ontario
Veröffentlichung Neuropsychologia, Vol. 45(2), pp 459-64, DOI 10.1016/j.neuropsychologia.2006.10.009
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