Posted in: Astronomie 11. Januar 2007 16:23 Weiter lesen →

Lichtecho aus dem Herz der Milchstraße

Das Schwarze Loch im Zentrum der Galaxis verleibt sich hin und wieder größere Materiemengen ein. Den Widerschein einer solchen Mahlzeit glauben amerikanische Astronomen beobachtet zu haben. Demnach hat sich das Glimmen von Gaswolken in der Nähe des Milchstraßenzentrums binnen drei Jahren merklich verändert.

Übersichtsaufnahme des Milchstraßenzentrums im Röntgenlicht, einige helle Wolken, Schleier und einzelne Punkte; daneben drei Detailaufnahmen der veränderlichen Region aus den Jahren 2002, 2004 und 2005

Der Widerschein der Strahlungsquelle SgrA* hat binnen weniger Jahre deutlich geflackert. Die Ellipsen markieren die im Detail studierten Regionen. Bild: NASA/CXC/Caltech/M.Muno et al.

Das Ereignis muss sich vor etwa 50 Jahren abgespielt haben, schätzen Michael Muno vom California Institute of Technology anhand des Abstandes der Wolken von dem Schwarzen Loch. Zu jener Zeit habe es noch keine Satelliten gegeben, die die direkte Strahlung des Energieausbruchs hätten registrieren können. Dank der endlichen Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts sehe man nun zumindest dessen Widerschein.

Muno und Kollegen analysierten Aufnahmen, die das Weltraumteleskop Chandra in den Jahren 2002 bis 2005 vom Zentrum der Milchstraße gemacht hatte. In dieser Region im Sternbild des Schützen liegt die Strahlungsquelle Sagittarius A*. Astronomen gehen davon aus, dass es sich dabei um ein Schwarzes Loch von einigen Millionen Sonnenmassen handelt. Bereits früher waren kleinere, vorübergehende Anstiege der Strahlungsintensität beobachtet worden. Zustande kommen sie vermutlich, wenn Materie in das Schwarze Loch stürzt und sich dabei stark aufheizt.

Wie die Forscher auf einer Fachtagung in Seattle berichten, stellten sie beim Vergleich der Aufnahmen deutliche Helligkeitsschwankungen der Röntgenstrahlung fest, die von energetisch angeregten Molekülwolken nahe des Zentrums stammt. Da die betroffenen Bereiche mehrere Lichtjahre groß seien, könnten Veränderungen der Wolkenstruktur über den kurzen Zeitraum ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich sei vielmehr, dass Sagittarius A* zwei bis drei Jahre lang hunderttausendmal kräftiger gestrahlt habe als heute.

Derzeit verhalte sich die Strahlungsquelle in allen Wellenlängenbereichen eher unauffällig, erläutert Munos Kollege Frederick Baganoff vom Massachusetts Institute of Technology. „Diese Schwäche lässt vermuten, dass nur selten Sterne und Gas gefährlich nahe an das Schwarze Loch herankommen. Der enorme Hunger ist da, allein, er wird nur selten gestillt.“

Forschung: Michael M. Muno, Department of Astronomy, California Institute of Technology, Pasadena; Frederick K. Baganoff, Kavli Institute for Astrophysics and Space Research, Massachusetts Institute of Technology, Cambridge; und andere

Präsentation auf dem 209th Meeting of the American Astronomical Society, Seattle, #254.10; Zur Veröffentlichung eingereicht bei Astrophysical Journal Letters; Preprint astro-ph/0611651

WWW:
Caltech Astronomy
Chandra
Black Holes

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Schwarzes Loch frisst Stern
Extreme Materiedichte im Milchstraßenzentrum

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