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Genvariante beeinflusst Verlangen nach Alkohol

Donnerstag, 4. Januar 2007, 7:01 • Rubrik Medizin, Psychologie.

Variationen eines einzigen Gens scheinen starken Einfluss auf das Risiko für Alkoholmissbrauch zu haben. Entsprechende Resultate präsentieren eine niederländische Psychologin und ihre Kollegen im Fachblatt “Alcoholism – Clinical and Experimental Research”. Je nachdem, welche Genvariante ihre Probanden trugen, ließ sich bei ihnen ein unterschiedlich starkes Verlangen nach Alkohol auslösen.

Das Gen OPRM1 trägt die Information für einen Opioidrezeptor, der auf den körpereigenen Botenstoff Beta-Endorphin reagiert und dessen Botschaft ins Zellinnere weiterleitet. “Beta-Endorphine werden beim Konsum von Alkohol bzw. Drogen freigesetzt”, erläutert Esther van den Wildenberg von der Universität Maastricht. “Unterschiede in der Arbeitsweise des Rezeptors könnten Funktionen wie die durch Drogen ausgelöste Euphorie und Betäubung beeinflussen – und so wiederum die Drogen-Erfahrung und den künftigen Konsum.”

Van den Wildenberg und Kollegen untersuchten 108 Männer, die zwar viel Alkohol tranken, aber noch nicht als Alkoholiker eingestuft wurden. Von den Teilnehmern trugen 84 lediglich die “Standardvariante” des Rezeptorgens, bei der der 118. genetische Buchstabe ein A ist. Die übrigen trugen eine oder sogar zwei Versionen mit einem G. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass das von dieser Variante codierte Rezeptorprotein das Beta-Endorphin dreimal stärker bindet als die A-Variante.

Alle Teilnehmer wurden im Laufe des Versuchs Hinweisen auf Wasser bzw. Bier ausgesetzt und zu ihrem Verlagen nach Alkohol befragt. Gleichzeitig registrierten die Forscher den Erregungsgrad und die Speichelproduktion. Das Resultat: Die Teilnehmer mit der G-Genvariante sprachen deutlich stärker auf die Alkohol-Andeutungen an als jene mit der A-Variante.

Dieser Befund passe zu der Tatsache, dass die Träger der G-Variante im Laufe ihres Lebens mehr Cannabis, Amphetamine und andere Drogen konsumiert hätten als die übrigen Teilnehmer, so van den Wildenberg. “Zu diesem Zeitpunkt scheint dieses Gen ein Schlüsselgen im Zusammenhang mit Alkoholabhängigkeit zu sein”, kommentiert Kent Hutchison von der University of Colorado, Boulder. “Zweifellos gibt es noch weitere.”

Forschung: Esther van den Wildenberg, Reinout W. Wiers und Joelle Dessers, Faculteit der Psychologie, Universiteit Maastricht; und andere

Veröffentlichung Alcoholism – Clinical and Experimental Research, Vol. 31(1), Januar 2007, pp 1-10, DOI 10.1111/j.1530-0277.2006.00258.x

WWW:
Faculteit der Psychologie, Uni Maastricht
- Experimental Addiction Research
The Endorphin Collection

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