Posted in: Biologie, Paläontologie 27. Dezember 2006 15:47 Weiter lesen →

„Wandelnde Blätter“ sind lebende Fossilien

Insekten, die sich als Blätter tarnen, gibt es seit mindestens 47 Millionen Jahren. Das belegt ein fossiler Fund aus der Grube Messel nahe Darmstadt. Das Insekt hat große Ähnlichkeit mit bereits früher entdeckten fossilen Laubblättern aus derselben Fundstelle. Dies zeige, dass das Imitieren von Laubblättern eine überraschend alte Evolutionsstrategie sei, schreiben Forscher aus Göttingen und Bonn in einem Beitrag für die „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS).

Fossiles Wandelndes Blatt
Das Fossil im Vergleich zu einem heutigen Wandelnden Blatt. Bild: Uni Bonn

Das fossile Wandelnde Blatt wurde bereits im Jahr 2005 entdeckt. Jetzt stellen die Paläontologen Sonja Wedmann und Jes Rust von der Universität Bonn sowie der Göttinger Zoologe Sven Bradler das Fossil im Detail vor. In PNAS berichten sie, das Tier sei hervorragend erhalten und sehe heute lebenden Männchen dieser Gruppe verblüffend ähnlich.

Besonders sein Hinterleib ist seitlich verbreitert und sieht sehr blatt-ähnlich aus. Auch in der Größe und anderen äußeren Merkmalen zeigt das Fossil zahlreiche Übereinstimmungen mit Männchen der Wandelnden Blätter. Aber es sind auch kleine Unterschiede vorhanden, beispielsweise im Fortpflanzungsapparat. Daraus lassen sich nach Aussage der Forscher Rückschlüsse auf die basale Stellung des Fossils im Stammbaum der heutigen Wandelnden Blätter ziehen.

Heutzutage sind in 37 Arten von Wandelnden Blättern aus Südostasien und angrenzenden Gebieten bekannt. Der Fossilfund aus der Grube Messel zeigt, dass das frühere Verbreitungsgebiet dieser Tiergruppe einst deutlich größer war. Neben der Tarnung schützen sich die Insekten auch durch ihr Verhalten vor der Entdeckung durch Fressfeinde: Die Tiere sind nachtaktiv, tagsüber verharren sie stundenlang völlig regungslos. Sehr wahrscheinlich waren diese Verhaltenweisen auch schon vor 47 Millionen Jahren ausgeprägt, glauben die Forscher.

Bei allen heutigen Wandelnden Blättern sehen Männchen und Weibchen sehr unterschiedlich aus, wobei Weibchen die Laubblätter noch perfekter imitieren als die Männchen. Aufgrund der großen Ähnlichkeit des Fossils mit heutigen Männchen scheint es möglich, dass vor 47 Millionen Jahren auch die Weibchen schon so aussahen wie heute und deshalb vielleicht von den Fossiliensammlern für Blätter gehalten wurden.

Forschung: Sonja Wedmann, Jes Rust, Institut für Paläontologie der Universität Bonn; Sven Bradler, Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen; in „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS)

WWW:
Institut für Paläontologie der Universität Bonn

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Grube Messel: Gifttod in der Vorzeit?

Posted in: Biologie, Paläontologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,33 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.