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Mehrere Wege zu Mehrfachsystemen

21. Dezember 2006 |

Viele Sterne ziehen nicht allein durchs All, sondern haben einen oder mehrere Begleiter. Solche Mehrfachsysteme können auf unterschiedliche Arten entstehen, lassen neue Beobachtungen eines taiwanisch-japanischen Astronomenduos vermuten. Einige werden bereits als Mehrlinge geboren, andere fangen sich nachträglich ein Geschwisterchen ein.

Drei Grafiken zeigen die mögliche Entstehung des Dreifachsystems als Comic: In einem großen Gaswirbel bilden sich zwei kleinere Wirbel um die Zwillings-Protosterne, einer der beiden fängt sich schließlich einen Protostern samt kleinerem, in Gegenrichtung rotierenden Wirbel ein

So könnte das Dreifachsystem L1551 IRS5 entstanden sein: In einem großen Ausgangswirbel bilden sich die beiden Protostern-Zwillinge samt eigenen Wirbeln, einer der beiden fängt sich später einen kleineren Protostern samt Wirbel ein. Grafik: Bill Saxton, NRAO/AUI/NSF

Bislang hätten viele Astronomen entweder die eine oder die andere Entstehungsmöglichkeit favorisiert, erläutert Jeremy Lim von der Academia Sinica in Taipei. Das Beispiel des Mehrfachsystems L1551 IRS5 im Sternbild Stier deute nun darauf hin, dass beide Seiten im Recht seien. Lim und sein Kollege Shigehisa Takakuwa vom National Astronomical Observatory of Japan präsentierten ihre Resultate jüngst im “Astrophysical Journal”.

Für ihre Beobachtungen nutzten die Forscher das Very Large Array, eine aus 27 verschiebbaren Radioteleskopen bestehende Anlage im US-Bundesstaat New Mexico. Unter Zuhilfenahme eines weiteren, externen Radioteleskops erhielten sie ungewöhnlich detailreiche Aufnahmen, die das vermeintliche Doppelsternsystem als Dreifachsystem zeigen. Alle drei Sterne sind jung und noch von Staubscheiben umgeben, eine weitere große Staubscheibe umfasst das gesamte System. Die Anordnung dieser Staubscheiben lieferte die entscheidenden Hinweise.

“Unsere neue Studie zeigt, dass die Scheiben der zwei Haupt-Protosterne parallel zueinander und zu der großen, umgebenden Scheibe ausgerichtet sind”, so Lim. “Auch ihre Kreisbewegung umeinander entspricht der Drehrichtung der großen Scheibe.” Dies sei ein schlagender Beweis für die Annahme, Mehrfachsysteme könnten aus der Aufspaltung eines einzigen “Stern-Keims” hervorgehen. Die Scheibe des dritten Sterns allerdings stehe schräg zu den übrigen Scheiben. Daher sei es möglich, dass dieser Stern andernorts entstanden und erst später durch die Schwerkraft der Zwillinge eingefangen worden sei.

Forschung: Jeremy Lim, Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica, Taipei, und Shigehisa Takakuwa, National Astronomical Observatory of Japan, Tokyo

Veröffentlichung Astrophysical Journal, Vol. 653, pp 425-36

WWW:
Institute of Astronomy and Astrophysics, Academia Sinica
- Homepage Jeremy Lim
National Astronomical Observatory of Japan
- Two Jets from Protostar L1551-IRS5
Very Large Array
Circumstellar Disks

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