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Eisstrom beschleunigt im Gezeitenrhythmus

20. Dezember 2006 |

Der Eispanzer der Antarktis reagiert empfindlich auf den Gezeitenzyklus, hat ein britischer Forscher entdeckt. Indem Ebbe und Flut im 14-tägigen Rhythmus stärker und wieder schwächer werden, steigert ein westantarktischer Eisstrom seine Fließgeschwindigkeit und bremst wieder ab.

“Niemals zuvor haben wir so etwas beobachtet”, erklärt Hilmar Gudmundsson vom British Antarctic Survey in Cambridge. “Dass eine derart große Eismasse auf die Gezeiten des Meeres anspricht, demonstriert, wie sensibel der antarktische Eisschild auf Umweltveränderungen reagiert.” Die neuen Resultate seien von großer praktischer Bedeutung: Je besser man das Verhalten der Eisströme verstehe, desto genauer könne man den Beitrag des antarktischen Eisschilds zum Anstieg des Meeresspiegels schätzen.

Gudmundsson studierte das Verhalten des Rutford-Eisstroms, der an der Basis der Antarktischen Halbinsel in das Weddellmeer mündet. Gut 150 Kilometer lang, 25 Kilometer breit und bis zu 3 Kilometer mächtig, “entwässert” der Strom eine Fläche von etwa 52.000 Quadratkilometern. Zum Vergleich: Die Schweiz bringt es auf knapp 42.000 Quadratkilometer.

Der Forscher nutzte Daten von fünf, entlang des Eisstroms platzierten GPS-Empfängern, um die Bewegung des Eises über einen Zeitraum von sieben Wochen zu berechnen. Dabei fand er, dass die Fließgeschwindigkeit regelmäßig um rund 20 Prozent schwankte. Am höchsten war sie bei Neumond bzw. Vollmond, wenn der Mond auf der Linie zwischen Erde und Sonne steht und der Gezeitenhub am stärksten ist. Dann sank sie, bis der zunehmende bzw. abnehmende Mond quer zu der Verbindungslinie stand und die Gezeiten besonders schwach ausfielen, um schließlich erneut zu steigen.

Der Effekt war umso schwächer und trat mit umso mehr Verzögerung ein, je weiter der GPS-Empfänger oberhalb jener Linie lag, an der sich der Eisstrom vom felsigen Untergrund löst und auf dem Meer aufschwimmt. Vermutlich könne der Strom bei ausgeprägtem Hochwasser, wenn das Eis vom Meerwasser angehoben wird und damit sein Auflagedruck sinkt, stärker beschleunigen als er bei ausgeprägtem Niedrigwasser gebremst werde, vermutet Gudmundsson.

Forschung: G. Hilmar Gudmundsson, British Antarctic Survey, Cambridge

Veröffentlichung Nature, Vol. 444, 21./28. Dezember 2006, pp 1063-4, DOI 10.1038/nature05430

WWW:
British Antarctic Survey
Eis und Klima
Ebbe und Flut

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