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Hunderte planetarischer Nebel entdeckt

Sterne kleineren Kalibers produzieren am Ende ihres Lebens farbenprächtige, glühende Gaswolken. Die Entdeckung von mehreren Hundert solcher planetarischer Nebel vermeldet nun eine internationale Astronomengruppe. Ihre Beobachtungen erlauben neue Einblicke in den Aufbau der Milchstraße – und helfen bei der Klärung eines rätselhaften Masseschwundes.

Aufnahme eines planetarischen Nebels, dessen komplizierte Gestalt mit vielen als Ellipsen gesehenen Gasschalen an ein Katzenauge erinnert

Einer der komplexesten planetarischen Nebel, NGC 6543, wird nicht von ungefähr auch als Katzenaugen-Nebel bezeichnet. Bild: Bruce Balick & Jeanine Wilson, University of Washington; Arsen R. Hajian, U.S. Naval Observatory; J. Patrick Harrington, University of Maryland; Kazimierz J. Borkowski, North Carolina State University; George Jacoby, NOAO; NASA

Wenn ein Stern zum planetarischen Nebel werde, verliere er einen großen Teil seiner Masse, erläutert Quentin Parker vom Anglo-Australian Observatory. „Bis zu 85 Prozent der Masse verschwinden förmlich vor unseren Augen“, so der Forscher. „Nun haben wir extrem leuchtschwache Höfe bei etwa 60 Prozent unserer neuen planetarischen Nebel in der Großen Magellanschen Wolke gefunden. Daher vermuten wir, dass dort der Großteil der fehlenden Masse steckt.“

Trotz ihres Namens haben planetarische Nebel nichts mit Planeten zu tun. Vielmehr entstehen sie, wenn Sterne von höchstens acht Sonnenmassen ihren Brennstoff aufgebraucht haben, zu pulsieren beginnen und dabei ihre äußere Hülle abstoßen. Werden diese Gasmassen vom letzten Sternenglimmen energetisch angeregt, beginnen sie zu leuchten. Von der Erde aus betrachtet, erinnern manche der kurzlebigen Gebilde an Katzenaugen, Sanduhren und Eheringe.

Im Rahmen einer achtjährigen Beobachtungskampagne mit dem UK Schmidt Telescope gelang es Parker und seinen Kollegen, rund 900 bislang unbekannte planetarische Nebel in der Milchstraße und etwa 500 neue in der Großen Magellanschen Wolke aufzuspüren. Die Forscher fotografierten dazu große Bereiche des Nachthimmels durch einen Filter, der lediglich das tiefrote Licht angeregten Wasserstoffs passieren lässt. Ob es sich bei den so entdeckten Objekten tatsächlich um planetarische Nebel handelte, überprüften sie mit Hilfe weiterer Teleskope.

Zwar seien nun etwa 2.400 planetarische Nebel in der Milchstraße bekannt, so das Observatorium in einer Mitteilung. Einige Schätzungen veranschlagten ihre Zahl jedoch auf bis zu 35.000. Das Studium dieser Gebilde sei umso wichtiger, als sich mit ihrer Hilfe die Struktur der Milchstraße kartieren und die Entstehungsrate neuer Sterne selbst in dünn besiedelten Regionen unserer Heimatgalaxie messen lasse.

Forschung: Quentin A. Parker und Warren A. Reid, Department of Physics, Macquarie University, Sydney, und Anglo-Australian Observatory, Epping, New South Wales; und andere

Veröffentlichung Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, Vol. 373(1), pp 79-94, und Vol. 373(2), pp 521-50

WWW:
Anglo-Australian Observatory [1]
Spätphasen der Sternentwicklung [2]
Planetary Nebulae and the Future of the Solar System [3]

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Magnetfelder in planetarischen Nebeln nachgewiesen [4]
Hubble enthüllt kosmisches Spinnennetz [5]