Menschen können Fährten riechen

18. Dezember 2006 06:01 Drucken

Um die Riechfähigkeiten des Menschen steht es viel besser als gemeinhin angenommen. Das haben ungewöhnliche Experimente einer amerikanisch-israelischen Forschergruppe ergeben. Auf die Spur von Schokolade gesetzt, konnten ihre Probanden dieser allein mit Hilfe der Nase folgen und wurden im Laufe der Zeit immer besser.

Damit nicht genug: Die beiden Nasenlöcher beproben verschiedene Bereiche des Luftraums und ermöglichen so eine Art Stereoriechen, berichtet die Gruppe um Jessica Porter und Noam Sobel von der University of California, Berkeley, im Fachblatt “Nature Neuroscience”. Die neuen Resultate “lassen vermuten, dass der schlechte Ruf des menschlichen Riechvermögens zum Teil in Verhaltensaspekten begründet liegt und nicht in den tatsächlichen Fähigkeiten”.

Porter und ihre Kollegen setzten 32 Freiwillige auf eine zehn Meter lange Spur an, die sie mit Schokoladenessenz in einer Wiese gezogen hatten. Versehen mit blickdichter Brille, Ohrstöpseln und dicken Handschuhen, konnten sich die Teilnehmer nur auf ihren Geruchssinn verlassen. Dennoch vermochten 21 von ihnen, der Spur bis zum Ende zu folgen. Genau wie Hunde, bewegten sie sich dabei in Schlangenlinien und kehrten immer wieder zu der Spur zurück, wenn sie sich allzu weit davon entfernt hatten.

Versuchsweise ließen die Forscher einige Probanden ein dreitägiges Training absolvieren, bei dem sie immer wieder riechend einer Spur folgen mussten. Erstaunlicherweise wurden die Schlangenlinien immer gerader, während die Bewegungsgeschwindigkeit der Teilnehmer von 2,6 auf 5,7 Zentimeter pro Sekunde stieg. Gleichzeitig halbierten sie ihr Schnüffelintervall von knapp 3 auf 1,5 Sekunden. Zum Vergleich: Hunde schnüffeln etwa alle 0,15 Sekunden.

Die überraschend guten Riechfähigkeiten des Menschen könnten auch auf das Ansaugverhalten der Nase zurückgehen, berichten Porter und ihre Kollegen. Indem sie mit Laserblitzen die Bewegung feinster Partikel in der Luft ablichteten, konnten sie nachweisen, dass linkes und rechtes Nasenloch Luft von schräg außen ansaugen. Trotz des geringen Abstandes der beiden Nasenlöcher werden daher beim Schnüffeln unterschiedliche Luftmassen erfasst. Schaltenen die Forscher diesen Richtungseffekt durch ein T-förmiges Rohrstück vor den Nasenlöchern aus, sanken Geschwindigkeit und Spurtreue beim Fährtenlesen merklich.

Forschung: Jess Porter und Noam Sobel, Program in Biophysics und Neuroscience Institute, University of California, Berkeley, und Department of Neurobiology, Weizmann Institute of Science, Rehovot; und andere

Veröffentlichung Nature Neuroscience, DOI 10.1038/nn1819

WWW:
Berkeley Olfactory Research Project (BORP)
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