Mit den Bootsbauern kam die Schildkröte
13. Dezember 2006 18:43
Vor mehr als 3.000 Jahren verzierten die Besiedler des südwestlichen Pazifiks ihre Tonwaren mit merkwürdig verfremdeten Gesichtern. Dabei handelte es sich nicht etwa um Referenzen an die Vorfahren, glaubt ein amerikanisches Forscherduo. In den meisten Fällen sei vielmehr die Schildkröte aus dem Schöpfungsmythos der Insulaner dargestellt.

Gefäße im Lapita-Stil, hier eine teilweise rekonstruierte Schale, tragen häufig an Gesichter erinnernde Motive. Illustration by Christophe Sand, Courtesy of The Field Museum
Das rätselhafte Gesicht findet sich auf den Keramiken der Lapita-Kultur, angefertigt in dem weit geschwungenen Inselbogen zwischen Neuguinea und Samoa. Zwar sei diese charakteristische Keramik vor gut 2.500 Jahren aus der Mode gekommen, so John Terrell vom Field Museum of Natural History in Chicago. Die Erzählung von der Schildkröte habe sich jedoch bis heute gehalten und finde sich auch auf modernen Schalen und Tellern aus Holz.
Terrell und seine Kollegin Esther Schechter stützen ihre Theorie auf Fundstücke von der Nordostküste Neuguineas. Obwohl unterschiedlich alt und in verschiedenen Stilen gefertigt, zeigen viele davon das rätselhafte Gesicht, berichtet das Duo demnächst im “Cambridge Archaeological Journal”. Eine mögliche Erklärung dafür sei, dass diese Ikonographie fundamentale Vorstellungen von Irdischem und Göttlichem repräsentiere und daher das Verschwinden der frühen Lapita-Kultur drei Jahrtausende überdauert habe.

Auf modernen Produkten wie diesem Holzteller von Neuguinea taucht die Schildkröte ebenfalls auf. Photo by John Weinstein; Courtesy of The Field Museum
Nach Ansicht Terrells und Schechters lässt sich eine Verbindung zwischen diesen Darstellungen und einer Geschichte herstellen, die andere Forscher in den 70er-Jahren in der gleichen Küstenregion erzählt bekommen hatten. Darin geht es um die Mutter aller Meeresschildkröten, die erste Insel, den ersten Mann und die erste Frau.
“Ich war lange Zeit skeptisch, was das Knüpfen einer solchen Verbindung anging”, räumt Schechter ein. Dann habe eine Biologin sie darauf hingewiesen, dass einige der Keramik-Verzierungen an jene Spuren erinnerten, die Suppenschildkröten bei der Eiablage im Sand hinterlassen. “Als wir dann auf die Schöpfungsgeschichte stießen, ergab das alles viel mehr Sinn.”
Forschung: John E. Terrell und Esther M. Schechter, New Guinea Research Program, Department of Anthropology, Field Museum of Natural History, Chicago
Zur Veröffentlichung akzeptiert von Cambridge Archaeological Journal
WWW:
The Field Museum
- Department of Anthropology
Into Remote Oceania: Lapita People
Introduction to Pacific Islands Archaeology
The True Face of Lapita

















Antikörper