Posted in: Astronomie 11. Dezember 2006 20:01 Weiter lesen →

Astronomen spalten „verbotenen“ Stern

Auch Sterne wachsen nicht in den Himmel, lassen neue Beobachtungen einer internationalen Astronomengruppe vermuten. Ein Stern von ungewöhnlich großer Masse in der kosmischen Nachbarschaft der Sonne besteht demnach aus mindestens zwei Komponenten.

Aufnahme von Pismis 24 und seiner Umgebung zeigt einige hell strahlende Sterne, am unteren Bildrand rötlich schimmernde Gasfahnen

Die intensive Strahlung der massereichen Sterne regt die Gasmassen in ihrer Umgebung zum Glimmen an. Bild: NASA, ESA and Jesús Maíz Apellániz (Instituto de Astrofísica de Andalucía, Spanien)

Beide Objekte bringen es auf etwa 100 Sonnenmassen und zählen damit auch weiterhin zu den Giganten unter den Sternen, berichten die Forscher um Jesús Maíz Apellániz vom Andalusischen Astrophysikalischen Institut auf einer Fachtagung im argentinischen Cariló. „Allerdings liegen sie nicht oberhalb dessen, was derzeit als Obergrenze für die Masse eines Sterns angesehen wird.“

Die Statistik der bisherigen Sternvermessungen spricht für ein Limit bei etwa 150 Sonnenmassen. Allerdings wird sie verzerrt durch Mehrfachsysteme, die irdischen Beobachtern als einziges Objekt erscheinen. Maíz Apellániz und Kollegen nutzten das Weltraumteleskop Hubble, um solche Kandidaten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bild zeigt Pismis 24-1 als zwei helle, ineinander verschwimmende Lichtflecken mit konzentrischen Beugungsringen

Pismis 24-1 besteht aus mindestens zwei Komponenten. Bild: NASA, ESA and Jesús Maíz Apellániz (Instituto de Astrofísica de Andalucía, Spanien)

Unter anderem spähten die Forscher in den Kugelsternhaufen Pismis 24, rund 8.000 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild des Schützen gelegen. Im Zentrum dieses Haufens war mit dem intensiv strahlenden Pismis 24-1 ein Stern von mehr als 200 Sonnenmassen vermutet worden. Die hochauflösenden Aufnahmen zeigten nun, dass der „Ausreißer“ tatsächlich aus zwei Komponenten besteht. Eine davon könnte, ihrem „verschmierten“ Lichtspektrum nach zu urteilen, selbst wiederum ein Binärsystem sein.

Ein weiterer Stern in Pismis 24 besitzt ebenfalls das 100fache der Sonnenmasse, fanden Maíz Apellániz und Kollegen. Ein solches Gedränge extrem massereicher Sterne macht den Kugelsternhaufen zu einer echten Rarität: In der Milchstraße kommen auf einen Stern von mindestens 65 Sonnenmassen mehrere Millionen Vettern vom Kaliber der Sonne.

Forschung: Jesús Maíz Apellániz, Instituto de Astrofísica de Andalucía, Granada; Nolan R. Walborn, Space Telescope Science Institute, Baltimore, Maryland; und andere

Präsentation auf dem Workshop Massive Stars 2006, Cariló; Preprint astro-ph/0612012

WWW:
Instituto de Astrofísica de Andalucía
Hubble
Star Formation

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Geburt eines Sterngiganten
Gefunden: Stellare Schwergewichtschampions

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