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Gehirnchemie beeinflusst Geschmackssinn

Mittwoch, 6. Dezember 2006, 6:12 • Rubrik Medizin, Psychologie.

Ein einfacher Geschmackstest könnte helfen, Depressionen zu diagnostizieren und möglichst effektiv zu behandeln. Entsprechende Resultate präsentiert eine britische Forschergruppe im “Journal of Neuroscience”. Die Empfindlichkeit der Zunge variiert demnach mit den Spiegeln zweier Nervenbotenstoffe, die auch bei Depressionen eine Rolle spielen.

Wie gut Patienten saure oder süße Substanzen schmecken könnten, verrate daher vielleicht mehr über die Art ihrer Krankheit, hofft die Gruppe um Lucy Donaldson von der University of Bristol. Dies liefere wiederum Hinweise auf die am besten geeigneten Medikamente. Und schließlich könnten die neuen Resultate verstehen helfen, warum ängstliche oder depressive Menschen oft keinen Appetit hätten.

Donaldson und ihr Team bestimmten, in welcher Verdünnung ihre Probanden süß, sauer, salzig oder bitter schmeckende Substanzen erkennen konnten. Dann verabreichten sie ihnen Wirkstoffe, die die Spiegel der Neurotransmitter Serotonin bzw. Noradrenalin im Gehirn erhöhen. Zwei Stunden später absolvierten die Probanden erneut den Geschmackstest. Das Resultat: Die Erhöhung des Serotoninspiegels senkte die Wahrnehmungsschwelle für süß und bitter, während mehr Noradrenalin die Schwelle für sauer und bitter senkte. Die Empfindlichkeit für Salziges war unabhängig von den Neurotransmitterspiegeln.

“Dies sind sehr aufregende Resultate”, erklärt Donaldsons Kollege Jan Melichar. “Bislang gab es keine einfache Möglichkeit, das beste Medikament für einen depressiven Patienten zu bestimmen.” Daher habe man in 20 bis 40 Prozent der Fälle nach einiger Zeit auf ein anderes Mittel umsteigen und wieder einige Wochen lang dessen Wirkung verfolgen müssen. “Mit dem Geschmackstest könnten wir dagegen auf Anhieb richtig liegen.”

Forschung: Lucy Donaldson und Jan Melichar, Department of Physiology und Division of Psychiatry, School of Medical Sciences, University of Bristol

Veröffentlichung Journal of Neuroscience, 6. Dezember 2006

WWW:
Department of Physiology, University of Bristol
Geschmackssinn
Kompetenznetz Depression

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