Fledermaus nimmt tiefste Züge
6. Dezember 2006 |
Eine kleine Fledermaus besitzt die wohl vorwitzigste Zunge aller Säugetiere, hat ein amerikanischer Biologe entdeckt. Das in Südamerika heimische Flattertier kann die Zunge bis auf das Anderthalbfache seiner Körperlänge ausfahren, um Blütennektar zu trinken.

Mit ihrer langen Zunge kann Anoura fistulata auch in den tiefsten Blüten fünfig werden. Foto: Murray Cooper
Zum Verstauen des beeindruckenden Instruments nutzen die kaum daumengroße Fledermaus eine weitere anatomische Besonderheit, berichtet Nathan Muchhala von der University of Miami im Magazin “Nature”. Beim Einziehen der Zunge gleitet diese in eine Gewebescheide an der Wand der Luftröhre, sodass ihre Basis letztlich zwischen Herz und Brustbein zu liegen kommt.
Muchhala entdeckte die neue Art in den Anden-Nebelwäldern Ecuadors und taufte sie auf den Namen Anoura fistulata. Der Forscher trainierte einige Tiere darauf, Zuckerwasser aus schmalen Glasröhrchen zu trinken, und konnte sie auf diese Weise dazu bringen, ihre Zunge so weit wie möglich vorzustrecken. Während zwei nahe verwandte Arten noch aus 40 Millimeter tiefen Röhrchen trinken konnten, schaffte der Neuling ganze 85 Millimeter.
Den wahrscheinlichen Grund für diese extreme Spezialisierung fand Muchhala in Form von Centropogon nigricans, einer nahen Verwandten der Glockenblume. Die Blütenblätter des Gewächses bilden eine ebenso enge wie lange Röhre, sodass ein Bestäuber alle Mühe hat, an seine Nektarbelohnung zu kommen. In den nächtlichen Nebelwäldern ist allein Anoura fistulata dazu in der Lage, belegten die Beobachtungen des Forschers.
Forschung: Nathan Muchhala, Department of Biology, University of Miami, Coral Gables
Veröffentlichung Nature, Vol. 444, 7. Dezember 2006, pp 701-2, DOI 10.1038/440701a
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