Posted in: Biologie 4. Dezember 2006 19:58 Weiter lesen →

Warum Hornkäfer Hörner tragen

Bei vielen Käferarten tragen die ausgewachsenen Tiere imposante Hörner. Ursprünglich haben diese Gebilde weder als Qualitätsmerkmal noch als Waffe gedient, sind amerikanische Biologen überzeugt. Vielmehr dürften sie den Larven der Käfer als eine Art “Dosenöffner” geholfen haben, sich beim Schlüpfen aus dem alten Panzer zu befreien.

Foto: Käfer mit mehr oder minder imposanten Hörnern, auf Nadeln aufgespießt

Blatthornkäfer der Gattung Onthophagus sind weltweit verbreitet. Foto: Allison Cooke, Indiana University

Erst in zweiter Reihe hätten sich dann weitere Funktionen für die Hörner entwickelt, betont Armin Moczek von der Indiana University in Bloomington. Dass bei manchen Arten die ausgewachsenen Weibchen bzw. Männchen nicht mehr gehörnt seien, liege daran, dass sie ihre Hörner nach Erfüllen des ursprünglichen Zwecks wieder zurückgebildet hätten.

Der Biologe und seine Studenten sammelten Daten über 47 Spezies der Blatthornkäfer-Gattung Onthophagus und studierten einige davon im Labor. Während bei einigen Arten nur die Männchen oder nur die Weibchen Hörner tragen, fehlen sie bei anderen gänzlich – zumindest den ausgewachsenen Tieren. Des ungeachtet bilden alle Larven aller untersuchten Arten Hörner, fanden die Forscher. “Dass Käferpuppen mit Hörnern versehen sind, diese jedoch rasch wieder verlieren, scheint keinen Sinn zu machen”, so Moczek. “Dem mussten wir natürlich nachgehen.”

Mit Hilfe eines feinen Elektroskalpells zerstörten die Forscher bei einigen Käferlarven das für die Hornbildung zuständige Gewebe. Nach der Operation waren die meisten Tiere nicht mehr in der Lage, sich beim Schlüpfen aus dem alten Kopfpanzer zu befreien, und damit zum Tode verdammt. “Vielleicht konnte die Gattung Onthophagus erst dank der Larven-Hörner einen dickeren Panzer bilden”, so Moczek, “vielleicht machte aber auch erst ein dickerer Panzer die Hörner nötig.”

Die neuen Resultate belegten, wie wichtig die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus einer Art sei, gerade auch für deren systematisch Einstufung, betont der Forscher. “Selbst heute noch ist die Evolutionstheorie größtenteils eine Theorie der Adulten. Die Evolution überführt jedoch nicht eine adulte Form in eine andere. Dazwischen liegt der Entwicklungsgang eines ganzen Lebens, und das dürfen wir nicht länger ignorieren.”

Forschung: Armin P. Moczek, Tami Cruickshank und Andrew Shelby, Department of Biology, Indiana University, Bloomington

Veröffentlichungen Evolution, Vol. 60(11), und American Naturalist, Vol. 168(6), pp 711-29

WWW:
Moczek Laboratory
Blatthornkäfer

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