Prachtkerle haben mehr Söhne
30. November 2006 |
Stattliche Männer haben nicht nur mehr Nachwuchs als weniger imposante Geschlechtsgenossen, sie zeugen auch mehr Söhne. Das haben spanische Forscher bei Versuchen mit Rothirschen ermittelt. Ihrer Ansicht nach belegen die Resultate nicht nur, dass das Geschlechtsverhältnis des Nachwuchses auch vom Vater abhängt. Sie eröffneten auch neuen Raum für evolutionäre Konflikte zwischen Männchen und Weibchen.
“Ein fruchtbares Männchen könnte beispielsweise vom Zeugen vieler Söhne profitieren”, schreiben Montserrat Gomendio vom Madrider Museo Nacional de Ciencias Naturales im Magazin “Science”. Zumindest bei Rothirschen könne männlicher Nachwuchs jedoch die Überlebenschancen der Mutter senken. Die Betrachtung dieser bislang unbekannten Konfliktebene könne helfen zu verstehen, warum das Geschlechtsverhältnis in der Natur häufig vom theoretisch zu erwartenden Verhältnis 50:50 abweiche.
Gomendio und Kollegen nahmen Spermaproben von 14 wild lebenden Rothirschbullen und besamten damit jeweils 25 in Gefangenschaft gehaltene Hirschkühe. Zwar lagen Erfolgsquote und Geschlechterverhältnis im Schnitt bei 50 Prozent, berichtet die Gruppe. Tatsächlich variierte die Schwangerschaftsquote jedoch zwischen 24 bis 70 Prozent - und mit ihr stieg auch der Anteil männlichen Nachwuchses von 25 auf 72 Prozent. Ein ähnlicher Zusammenhang zeigte sich zwischen dem Anteil normal geformter Spermien im Ejakulat und dem Geschlechtsverhältnis.
Die Gründe für diesen Effekt seien noch unklar, so Gomendio und Kollegen. In der freien Wildbahn dürfte er sehr wohl eine Rolle spielen und vielleicht sogar eine Art Qualitätskontrolle bewirken, da der Anteil normal geformter Spermien wohl vom Vater auf den Sohn vererbt werde: Unter solchen Bedingungen zeugten Männchen mit einem hohen Anteil normaler Spermien viele hochwertige Söhne, während solche mit vielen deformierten Spermien mehr Töchter zeugten und ihre schlechten männlichen Qualitäten nicht weitergäben.
Quelle: Science, 30.11.06
Forschung: Montserrat Gomendio, Departamento de Ecología Evolutiva, CSIC-Museo Nacional de Ciencias Naturales, Madrid; Julian Garde, Instituto de Investigación en Recursos Cinegéticos, Universidad de Castilia-La Mancha-CSIS-JCCM, Albacete; und andere
Veröffentlichung Science, Vol. 314, 1. Dezember 2006, pp 1445-7, DOI 10.1126/science.1133064
WWW:
Museo Nacional de Ciencias Naturales
- Reproductive Ecology and Biology Group
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