Urfisch mit stärkstem Biss
29. November 2006 |
In puncto Biss dürfte ein urzeitlicher Meeresräuber sogar den Dinosauriern Konkurrenz gemacht haben. Zu diesem Schluss kommen zwei amerikanische Forscher im Fachblatt “Biology Letters”. Ihren Modellrechnungen zufolge, könnten die Kiefer des Panzerfischs Dunkleosteus terrelli mit einer knapp fünf Tonnen entsprechenden Kraft zugepackt haben.

Der versteinerte Schädel eines Dunkleosteus terrelli diente als Vorlage für ein biomechanisches Modell. Photograph by Michael LaBarbera, courtesy of The Field Museum
Da diese Kraft über messerscharfe Kieferplatten auf die Beute wirkte, hätte der meterlange Räuber aus dem Devon auch größere Haie mit einem Biss in Stücke schneiden können, glaubt Mark Westneat vom Field Museum in Chicago. Und als wäre das nicht genug, konnte er sein Maul vermutlich binnen einer fünfzigstel Sekunde aufreißen, sodass die Beute durch den resultierenden Wasserstrom zwischen seine Fänge gesaugt wurde.
“Ermöglicht wird dies durch die einzigartige Konstruktion des Schädels und der verschiedenen Muskeln zum Öffnen und Schließen des Mauls”, erläutert Westneat. Der Forscher und sein Kollege Philip Anderson von der Universität Chicago hatten den 400 Millionen Jahre alten Schädel eines Dunkleosteus terrelli als Vorlage für ein biomechanisches Modell genutzt, um daran das Wechselspiel von Muskulatur und Skelett auszuloten.
Der mit knöchernen Platten gepanzerte Schädel des Räubers war demnach ein höchst dynamisches Gebilde, schließen die Forscher. Ihrer Ansicht nach wurde die Muskelkraft beim Schließen und Öffnen der Kiefer über eine Reihe von vier Drehgelenken übertragen. Dies geschah derart effektiv, dass Dunkleosteus sich an Haie, Gliederfüßer und Kopffüßer heranmachen konnte, die mit knöchernen Hautschuppen, Chitin bzw. Kalkschalen nicht minder stark gepanzert waren als er selbst.
“Wir können zwar nicht mehr beobachten, wie diese Tiere fressen oder miteinander interagieren”, erklärt Anderson. “Wir können jedoch mehr über die Palette der möglichen Verhaltensweisen in Erfahrung bringen, indem wir untersuchen, wie ihre erhaltenen Körperteile geformt und miteinander verbunden sind.”
Forschung: Philip S.L. Anderson, Department of Geophysical Sciences, University of Chicago, und Mark W. Westneat, Department of Zoology, Field Museum of Natural History, Chicago
Online-Veröffentlichung Biology Letters, 29. November 2006, DOI 10.1098/rsbl.2006.0569
WWW:
Field Museum
- Homepage Mark Westneat
Dunkleosteus
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