Golfstrom schwächer während Kleiner Eiszeit
29. November 2006 |
Während der “Kleinen Eiszeit” war der Golfstrom deutlich schwächer als heute. Das lässt eine Untersuchung amerikanischer Geowissenschaftler vermuten. Beginnend im 13. Jahrhundert, strömte demnach bis zu 10 Prozent weniger Warmwasser durch die Meeresstraße zwischen Florida und Antillen gen Nordatlantik.
Erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts habe der Floridastrom wieder seine vorherige Stärke erreicht, berichten die Forscher um David Lund vom Massachusetts Institute of Technology und der Woods Hole Oceanographic Institution im Magazin “Nature”. Dieser zeitliche Rahmen entspreche der Phase besonders strenger Winter und kühler Sommer in Europa.
Lund und seine Kollegen stützen sich auf Bohrkerne, die aus unterschiedlichen Tiefen beiderseits des Floridastroms aus dem Meeresboden gezogen worden waren. Die Forscher klaubten Tausende Kalkschalen von tierischen Einzellern, den Foraminiferen, aus dem Sediment und maßen die Konzentrationen des “normalen” und des schweren Sauerstoff-Isotops O-16 bzw. O-18 in dem Kalk. Anhand dieser Werte konnten sie auf die Dichte des Wassers an den Rändern des Floridastroms und damit auf dessen Stärke in der Vergangenheit schließen.
Während heute pro Sekunde rund 31 Millionen Kubikmeter warmen Wassers durch die Floridastraße strömen, waren es zu Beginn des 15. und 19. Jahrhunderts etwas unter 29 Millionen Kubikmeter pro Sekunde, schätzen die Forscher.
Zwar erlaubten diese Zahlen für sich genommen keine eindeutige Aussage über die Auswirkungen auf den Netto-Wärmetransport in die nördlichen Breiten. Jedoch sprächen neben der zeitlichen Koinzidenz auch die Tiefenstruktur der Abschwächung und der Salzgehalt an der Oberfläche des Stroms für die Annahme, dass das Phänomen zur Abkühlung während der Kleinen Eiszeit zumindest beigetragen habe. Als Ursache für die lange Kälteperiode waren bislang meist eine geringere Sonneneinstrahlung und gewaltige Vulkanausbrüche diskutiert worden.
Forschung:David C. Lund, MIT/WHOI Joint Program in Oceanography, Woods Hole, Massachusetts; Jean Lynch-Stieglitz, School of Earth and Atmospheric Sciences, Georgia Institute of Technology, Atlanta; William B. Curry, Department of Geology and Geophysics, Woods Hole Oceanographic Institution
Veröffentlichung Nature, Vol. 444, 30. November 2006, pp 601-4, DOI 10.1038/nature05277
WWW:
MIT-WHOI Joint Program in Oceanography
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