Top

Mentaler Herdentrieb hilft Magiern

20. November 2006 18:01

Zauberkünstler und Taschenspieler können auf den “Herdentrieb” des menschlichen Hirns bauen. Das belegt eine Studie zweier britischer Forscher. Bei einander widersprechenden Signalen verlässt sich das Gehirn demnach weniger auf die eigenen Augen als darauf, was andere Menschen zu sehen scheinen.

Gustav Kuhn von der University of Durham und Michael Land von der University of Sussex führten ihr Experiment mit 38 Studierenden durch. Diese sahen Filme eines Zauberkünstlers, der zweimal hintereinander einen Ball in die Luft warf und wieder auffing. Beim dritten Mal führte er die gleiche Handbewegung aus, hielt den Ball jedoch fest und verbarg ihn in der Handfläche.

Schaute der Künstler dabei dem vermeintlich geworfenen Ball nach, waren 68 Prozent der Betrachter fest davon überzeugt, der Ball sei nach oben aus dem Bild geflogen und dort von einer weiteren Person aufgefangen worden. Schaute der Künstler dagegen auf seine Wurfhand, erlebten nur 32 Prozent der Betrachter die Sinnestäuschung, berichten die Forscher im Fachblatt “Current Biology”.

Um mehr über den Effekt in Erfahrung zu bringen, registrierten Kuhn und Land laufend die Blickrichtung ihrer Probanden. Sobald sich die Wurfhand im Film aufwärts bewegte, schauten demnach die meisten Betrachter zunächst in das Gesicht des Zauberkünstlers und erst dann über dessen Kopf, wo sich der Ball befand. “Dies zeigt, dass das Sehsystem Informationen über die Blickrichtung des Zauberkünstlers nutzt, um die Position des Balls vorherzusagen”, schreiben die Forscher.

Überraschenderweise blieb der Blick am Gesicht des Künstlers haften, wenn der Ball nur scheinbar geworfen wurde. Offenbar erkannte das Sehsystem der Probanden sehr wohl, dass kein Wurf erfolgt war, schließen die Forscher. Dass die meisten dennoch einen fliegenden Ball wahrgenommen hätten, bestätige frühere Studien, denen zufolge “Sehen zwecks Handeln” und “Sehen zwecks Wahrnehmen” zwei verschiedene Dinge seien.

Forschung: Gustav Kuhn, Department of Psychology, University of Durham, und Michael F. Land, Department of Biology and Environmental Science, University of Sussex, Brighton

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 16(22), 21. November 2006, R950-R951, DOI 10.1016/j.cub.2006.10.012

WWW:
Homepage Gustav Kuhn
Sussex Vision Laboratory, Michael Land
Magischer Zirkel von Deutschland
Magie im Kopf

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Mentaler Tunnelblick durch Alkohol
Tasten hilft Sehen

Bottom