Schalter für septischen Schock entdeckt
Mittwoch, 15. November 2006, 14:04 • Rubrik Genetik, Medizin.
Wenn Erreger und ihre Toxine das Blut überschwemmen, droht ein septischer Schock. Amerikanische Mediziner glauben nun, einen wichtigen Kontrollpunkt für diesen lebensbedrohlichen Zustand entdeckt zu haben. Ein einziges Protein kann demnach verhindern, dass sich das Immunsystem immer weiter selbst aufputscht und den eigenen Körper schädigt.
Allein in Deutschland erleiden jährlich etwa 150.000 Menschen eine Sepsis. Die resultierende Abwehrreaktion kann aus dem Ruder laufen, wenn die Abwehrzellen immer mehr entzündungsfördernde Cytokine ausschütten und sich gegenseitig anstacheln. Folge kann ein Kreislauf- und Organversagen sein, das etwa 40 Prozent der Patienten nicht überleben.
Robert Schneider und seine Gruppe an der New York University untersuchten genauer, wie die Produktion der im Übermaß gefährlichen Cytokine kontrolliert wird. Dabei konzentrierten sie sich auf ein Protein namens AUF1. Das Protein kann an die Bauanleitungen für die Herstellung der Cytokine binden, ihre messenger-RNA, und so deren vorzeitigen Abbau einleiten. Wie die Forscher im Fachblatt “Genes and Development” berichten, verhindert es auf diese Weise einen septischen Schock.
Schneider und Kollegen konfrontierten Mäuse, bei denen sie das Gen für AUF1 ausgeschaltet hatten, mit einem bakteriellen Toxin, das bei Menschen eine leichte Lebensmittelvergiftung bewirkt. Der Effekt war dramatisch: “Die Mäuse ohne das Gen starben aufgrund einer unkontrollierten Reaktion ähnlich eines septischen Schocks”, so Schneider. “Ihre Blutgefäße barsten und ihre Milz ging zugrunde.” Vielleicht könne Sepsis-Patienten geholfen werden, indem man ihr AUF1 aktiviere bzw. stabilisiere, hofft der Forscher.
Die Tiere ohne AUF1 wiesen extrem hohe Spiegel zweier Cytokine auf, des Interleukin-1 beta und des Tumornekrosefaktor alpha. Offenbar waren sie ohne das Protein nicht mehr in der Lage, ihre Immunreaktion im Zaum zu halten. Umgekehrt kamen Mäuse mit intaktem AUF1-Gen relativ gut mit dem Toxin zurecht. Ihre Sterblichkeit war fünfmal niedriger als die ihrer Artgenossen.
Forschung: Jin-Yu Lu, Navid Sadri und Robert Schneider, Department of Microbiology, School of Medicine, New York University, New York
Veröffentlichung Genes and Development, DOI 10.1101/gad.1467606
WWW:
Schneider Lab, New York University
Sepsis fordert viel mehr Todesopfer als gedacht
Deutsche Sepsis-Gesellschaft
Immunsystem
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