Sozialer Ausschluss verändert Gehirnfunktion
9. November 2006 15:50 Drucken
Jeder Mensch hat irgendwann einmal das Gefühl, das einsamste Wesen auf der ganzen Welt zu sein. Was in solchen Situationen im Kopf vor sich geht, haben amerikanische Psychologinnen nun eingehend untersucht. Ihre Messungen zeigen eine veränderte Aktivität in mehreren Gehirnregionen.
Die Beobachtungen könnten helfen zu verstehen, warum sich manche Betroffene in ihrem Leid gehen lassen, zu Drogen greifen und wenig Entscheidungsfreude an den Tag legen, erklärt Keith Campbell von der University of Georgia. “Unsere Resultate zeigen, dass sozialer Ausschluss einen starken Einfluss auf das Verhalten von Menschen haben kann.”
Campbell und Kolleginnen ließen 30 Psychologie-Studentinnen den Fragebogen eines Persönlichkeitstests ausfüllen. Unabhängig von den Antworten, eröffneten sie 15 zufällig ausgewählten Teilnehmerinnen, ihnen stehe wohl ein Leben ohne Partner bzw. Partnerin bevor. Die übrigen erhielten dagegen einen neutralen Bescheid. Kurz darauf mussten alle Teilnehmerinnen eine Reihe von Mathematik-Aufgaben lösen, zeitgleich wurden die von der Nervenaktivität in ihrem Kopf erzeugten Magnetfelder registriert.
“Was wir beobachteten, war erstaunlich”, so Campbell. Nicht nur bewältigten die vermeintlich zur Einsamkeit verdammten Studentinnen ihre Aufgaben langsamer und machten mehr Fehler. Die MEG-Kartierung offenbarte bei ihnen auch eine geringere Aktivität in mehreren Regionen im Stirn-, Scheitel- und Hinterhauptslappen der Großhirnrinde, berichteten die Forscherinnen kürzlich im Fachblatt “Social Neuroscience”. Einige der in ihrer Aktivität gedämpften Gebiete trügen zur Fähigkeit, sich zu konzentrieren, und generell zur Selbstkontrolle bei.
Trotz dieser deutlichen Effekte habe keine Teilnehmerin sichtlich aufgewühlt oder traurig auf das Einsamkeits-Urteil reagiert, so Campbell. Nach Abschluss der Messungen seien sie selbstverständlich über das Täuschungsmanöver aufgeklärt worden.
Forschung: W. Keith Campbell, Elizabeth A. Krusemark und Kara A. Dyckman, Department of Psychology, University of Georgia, Athens; und andere
Veröffentlichung Social Neuroscience, Vol. 1(2), pp 124-34, DOI 10.1080/17470910601035160
WWW:
Homepage Keith Campbell
Magnetoencephalography (MEG)
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