Ein Zahn für alle Fälle
9. November 2006 |
Was man nicht im Kopf hat, muss man am Kopf haben. Nach diesem Motto scheint die Evolution im Falle eines südafrikanischen Frühmenschen verfahren zu sein, berichtet eine amerikanisch-britische Forschergruppe im Magazin “Science”. Mit einem wahren Kau-Schädel ausgestattet, wies Paranthropus robustus vor 1,8 Millionen Jahren demnach einen durchaus abwechslungsreichen Speisezettel auf.
Bild: Zahn eines Paranthropus. Quelle: Science
Paranthropus robustus trug nicht nur einen Schädelkamm als Ansatzstelle für mächtige Kaumuskeln, auch seine kräftigen Backenzähne weisen ihn als ausgesprochen guten Kauer aus. Bislang habe man die Art als Nahrungsspezialisten angesehen und so ihr Verschwinden bei wechselnden Umweltbedingungen erklärt, so Matt Sponheimer von der University of Colorado, Boulder. Im Gegensatz dazu soll sich die Gattung Homo nicht zuletzt mit Werkzeugen eine breite Nahrungspalette erschlossen haben. Möglicherweise müsse diese Gegenüberstellung neu überdacht werden.

Schädel eines Paranthropus. Quelle: Science
Sponheimer und Kollegen untersuchten vier bleibende Zähne eines Paranthropus robustus, dessen Überreste im südafrikanischen Swartkrans gefunden worden waren. Die Forscher fuhren die Zähne mit einem Laser ab und orientierten sich dabei an feinen Wachstumslinien, die im Wochenrhythmus im Zahnschmelz angelegt werden. Die wenigen durch den Laser verdampften Kohlenstoffatome analysierten sie auf die Anteile von “leichtem” Kohlenstoff-12 und “schwerem” Kohlenstoff-13.
Diese Kohlenstoff-Isotope sind in Gräsern und Seggen einerseits und in Bäumen und Sträuchern andererseits in unterschiedlichem Maße vorhanden. Daher konnten die Forscher anhand ihrer Messungen verfolgen, wie stark Teile solcher Pflanzen bzw. Fleisch entsprechender Pflanzenfresser im Laufe der Zeit zur Nahrung des Individuums beigetragen hatten.
Das Ergebnis: Die Zusammensetzung des Speisezettels muss nicht nur im Jahresverlauf, sondern auch von Jahr zu Jahr stark geschwankt haben. Mal scheint das Individuum ausschließlich Grassamen, Wurzelknollen oder Fleisch von Grasfressern verzehrt zu haben, mal überwiegend Nüsse und Früchte. Als Kontrolle analysierte Antilopenzähne aus der gleichen Fundstätte weisen dagegen kaum Schwankungen der Kohlenstoff-Signatur auf.
Forschung: Matt Sponheimer, Department of Anthropology, University of Colorado, Boulder; Benjamin H. Passey, Deparment of Geology and Geophysics, University of Utah, Salt Lake City; Julia A. Lee-Thorp, Department of Archeological Sciences, University of Bradford; und andere
Veröffentlichung Science, Vol. 314, 10. November 2006, pp 980-2, DOI 10.1126/science.1133827
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The Hall of Human Ancestors
- Paranthropus robustus
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