Posted in: Astronomie, Geologie 8. November 2006 19:01 Weiter lesen →

Mögliche Gasausbrüche auf dem Mond

Tief unter der Oberfläche des Mondes scheint es noch immer zu rumoren. Das schließen amerikanische Planetenforscher aus der Beobachtung mehrerer kleiner Gebiete auf dem Erdtrabanten. Das dortige Gestein scheint erst kürzlich freigelegt worden zu sein – möglicherweise durch Ausstöße von Gas.

Fotos zeigen die Ina-Struktur als halbkreisförmige Gebilde, dessen Rand deutliche Schatten wirft, darin zahlreiche sanfte Hügel

In der Ina-Struktur wird der pulvrige Regolith möglicherweise durch Gasausbrüche fortgeblasen. Bild: Courtesy Peter H. Schultz, Brown University

Die meisten Forscher gingen davon aus, dass die letzten Vulkanausbrüche auf dem Mond vor etwa einer Milliarde Jahren stattgefunden hätten, erläutern die Forscher um Peter Schultz von der Brown University im Magazin „Nature“. Dennoch sei der Mond kein gänzlich regloses Objekt: Indem er von der Schwerkraft der Erde förmlich durchgewalkt werde, komme es immer wieder zu Mondbeben.

Schultz und seine Kollegen studierten die Ina-Struktur, eine halbkreisförmige Vertiefung im „See des Glücks“ (Lacus Felicitatis). Etwa 2,8 Kilometer weit und 60 Meter tief, ist die Vertiefung scharf in das umgebende Terrain eingeschnitten und birgt an ihrem Grund eine Vielzahl von wenige Meter hohen Hügeln. Zwar gibt es auf dem Mond keine Erosion durch Wind und Wasser. Dennoch sollten derart feine Merkmale binnen weniger Millionen Jahre durch kleine Einschläge pulverisiert und eingeebnet werden, so Schultz.

Für ein geringes Alter spreche auch die Tatsache, dass sich in der Vertiefung nur zwei größere Einschlagkrater finden, so die Forscher. Im Einklang damit zeige die Stärke der Lichtreflexion im sichtbaren und infraroten Bereich, dass der Grund der Struktur aus kaum verwittertem, vom feinkörnigen Regolith befreiten Basalt bestehe. Und nicht zuletzt liege Ina in einem Gebiet, in dem rillenartige Vertiefungen auf eine durch mechanische Spannungen geschwächte Kruste hindeuteten.

Auf dem Mond gebe es mindestens drei ähnliche Strukturen in einem vergleichbaren geologischen Umfeld, schreiben Schultz und seine Kollegen. Dies lasse vermuten, „dass dort gelegentlich flüchtige Verbindungen – beispielsweise junges Kohlendioxid und sogar Wasser – entlang geologischer Schwachstellen austreten“. Ein solches Szenario könnte nach Ansicht der Forscher auch erklären, warum Profi- und Hobbyastronomen gelegentlich Ausbrüche oder Leuchterscheinungen auf dem Mond zu sehen meinen. Bislang würden solche Beobachtungen meist mit dem Hinweis auf den geologisch „toten“ Mond abgetan.

Forschung: Peter H. Schultz und Carlé M. Pieters, Geological Sciences, Brown University, Providence, Rhode Island; Matthew I. Staid, Planetary Science Institute, Tucson, Arizona

Veröffentlichung Nature, Vol. 444, 9. November 2006, pp 184-6, DOI 10.1038/nature05303

WWW:
Planetary Geosciences Group, Brown University
The Moon

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Einschlag auf dem Mond gefilmt

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