Gentest verrät Krebsverlauf
Mittwoch, 8. November 2006, 15:28 • Rubrik Genetik, Medizin.
Zu den häufigsten Krebserkrankungen im Kindesalter zählt das Neuroblastom, eine vom Nervensystem ausgehende Wucherung. Kölner und Heidelberger Mediziner haben einen Gentest entwickelt, der schon zum Zeitpunkt der Diagnose eine Abschätzung des Krankheitsverlaufs ermöglicht. Anhand der Aktivität von 144 Genen zeigt er an, ob der Tumor wahrscheinlich von selbst verschwinden oder unbeirrt wachsen wird.
Mit Hilfe des Tests werde es möglich sein, das Risiko jedes einzelnen Patienten genauer einzuschätzen und die Behandlung entsprechend zu planen, hoffen die Forscher um André Oberthür vom Universitätsklinikum Köln und Frank Westermann vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Patienten mit guter Prognose könne so vielleicht eine belastende Chemotherapie erspart werden.
In Deutschland erkranken etwa 1,1 von 100.000 Kindern am Neuroblastom. Die meisten Diagnosen werden vor dem 5. Lebensjahr gestellt, während Erkrankungen im Erwachsenenalter eine Rarität sind. Die Krankheit zeichnet sich zudem durch einen extrem variablen Verlauf aus: Mal bildet sich der Tumor samt Tochtergeschwulsten von selbst zurück, mal trotzt er sämtlichen Therapien.
Oberthür und Kollegen analysierten Tumormaterial von 251 Patienten. Zunächst ermittelten sie an 77 Proben, wie stark rund 10.000 DNA-Abschnitte in den Zellen abgelesen wurden. Dabei fanden sie, dass die Aktivität von 144 Genen charakteristisch für den Krankheitsverlauf zu sein scheint. Die Überprüfung dieses “Fingerabdrucks” an den übrigen 174 Proben bestätigte dessen Aussagekraft: Das Muster der Genaktvität sagte den Krankheitsverlauf mit einer Genauigkeit von 93 Prozent voraus, berichten die Forscher im “Journal of Clinical Oncology”.
Dies sei deutlich mehr als bei anderen Methoden, die etwa die Größe des Tumors und das Fehlen von Chromosomen-Abschnitten zur Einschätzung nutzten, so die Forscher. Zudem habe der Gentest Patienten herausfiltern können, die nach herkömmlicher Kategorisierung nicht behandelt worden wären, deren Krankheit dann jedoch unerwartet bösartig verlaufen sei. Eine rechtzeitige Therapie könnte in solchen Fällen lebensrettend wirken.
Forschung: André Oberthür, Frank Berthold und Matthias Fischer, Zentrum für Kinderonkologie und -hämatologie, Klinik und Poliklinik für Allgemeine Kinderheilkunde, Universitätsklinikum Köln; Frank Westermann, Abteilung Tumorgenetik, Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg; und andere
Veröffentlichung Journal of Clinical Oncology, Vol. 24(31), pp 5070-8, DOI 10.1200/JCO.2006.06.1879
WWW:
Kinderonkologie, Uniklinikum Köln
Deutsches Krebsforschungszentrum
Kinderkrebsinfo.de
- Neuroblastom
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